„Zeit Magazin Online“: „Wir können tagesaktuell arbeiten“

Der Zeit Verlag spendiert dem „Zeit Magazin“ zum 7. Mai eine Website

  Sie ist durchgängig im responsiven Design gestaltet, passt sich also verschiedenen Bildschirmgrößen von Smartphones, Tablet- und Desktoprechnern automatisch an. Redaktionell verantwortlich sind Maria Exner (Redakteurin im Ressort Lebensart von „Zeit Online„) und Tillmann Prüfer (Style Director „Zeit Magazin“).

Im Interview mit kress sprechen „Zeit Magazin“-Chefredakteur Christoph Amend und „Zeit Online“-Chef Jochen Wegner über die Besonderheiten des Designs und neue Elemente wie eine Kooperation mit der Fotografieagentur Magnum – und sie verraten, wie man im Online-Journalismus einen Pulsmesser einsetzen kann.

kress: Sie haben den Online-Auftritt des „Zeit Magazins“ komplett erneuert. Artikel aus dem Magazin waren auch bisher schon bei „Zeit Online“ zu finden. Warum hat Ihnen das nicht mehr gereicht?

Christoph Amend: Das „Zeit Magazin“ soll für „Zeit Online“ das werden, was es für „Die Zeit“ schon ist: die emotionale Seite. Natürlich sind unsere Artikel auch bisher schon online erschienen, aber jetzt haben wir ein eigenes Team aus „Zeit Online“- und „Zeit Magazin“-Redakteuren gebildet und können tagesaktuell arbeiten. Zugleich ist „Zeit Magazin Online“ so opulent gestaltet, wie es unsere Leser von der Print- und von der App-Ausgabe gewohnt sind. Jetzt können wir unsere Reportagen und Porträts auch optisch aufwändig präsentieren.
Jochen Wegner: Wir haben außerdem die Möglichkeit, Themen wie Mode, Gesellschaft und Lebensstil online etwas stärker zu betonen und auch aufwändiger zu inszenieren als im Hauptangebot – und für uns noch völlig neue Gebiete zu erschließen wie etwa die gehobene Gesellschaftsberichterstattung. Die „Zeit Online“-Leser erwarten eher Weltpolitik und einordnenden Journalismus einer bestimmten Art. Durch das „Zeit Magazin Online“ schaffen wir gleichsam als Antithese eine Magazinwelt, die auch einmal mit einer gewissen Distanz Vermischtes behandeln kann, ohne dass es unsere Leser irritiert. Das Print-Magazin hat das sehr gut vorgemacht.

Martenstein schreibt täglich

kress: Welche exklusiv fürs Web produzierten Inhalte planen Sie?

Amend: Wir werden zum Beispiel unsere „Gesellschaftskritik“, eine der meistgelesenen Kolumnen aus dem „Zeit Magazin“, ab sofort täglich machen. Außerdem starten wir eine besondere Kooperation mit der stilprägenden Fotografieagentur Magnum. Für Deutschland haben wir online exklusiven Zugriff auf das Archiv der Magnum-Fotografen und werfen jede Woche einen besonderen Blick auf die Fotografie-Kultur der Agentur.
Wegner: Hinzu kommen zahlreiche neue, regelmäßige Formate zu Genuss, Partnerschaft, Stil – und gar Grammatik. Harald Martenstein schreibt zum Start eine tägliche Kolumne. Im Kern steht aufwändig gestalteter Magazinjournalismus.

kress: Das gedruckte „Zeit Magazin“ hat viele optische Besonderheiten, etwa das Doppelcover. Wie wollen Sie im Web für Unverwechselbarkeit sorgen?

Amend: Wir verwenden zum Beispiel für bestimmte Rubriken unterschiedlich gefärbte Karten mit Zitaten oder Sentenzen, wie wir sie bereits auf Facebook sehr erfolgreich einsetzen. Das hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Wegner
: Viele andere Designelemente – Videos als Artikelhintergrund, eine spezielle Präsentation von Modestrecken oder Produktrezensionen – gibt es so bisher eher bei kleineren Websites oder bei aufwändig handgebauten Storytelling-Projekten.

kress: Sie rühmen sich eines durchgängig responsiven Webdesigns, so dass die „Zeit Magazin“-Website auf allen Endgeräten und Bildschirmen gut dargestellt wird. Was ist so schwer daran, eine Medienseite in dieser Form zu gestalten und zu programmieren?

Wegner: Meines Wissens sind wir das erste reichweitenstarke Medium mit klassischen Display-Anzeigen, das solch ein Projekt für den deutschen Markt umsetzt. Die entscheidende Voraussetzung für ein derart anspruchsvolles Design klingt trivial: Man braucht ein exzellentes Team. Wir haben lange nach einem geeigneten Studio gesucht, das sowohl die Gestaltung als auch die Technik beherrscht, und in Deutschland genau eines gefunden. Das ist Erik Spiekermann mit seiner Agentur edenspiekermann, einer der international bedeutendsten Designer, der 20 Fußminuten von uns entfernt sitzt. Neben einer Gestaltung, die auf beliebigen Geräten funktioniert, ist das Hauptproblem dabei, auch die jeweils passenden Anzeigen korrekt darzustellen. Wir wollten aber nicht warten, bis die Werber selbst flächendeckend responsive Werbeformen anbieten. Die Zugriffe über Smartphones und Tablet-Rechner wachsen so stark, dass wir jetzt eine Antwort brauchen und nicht erst nächstes Jahr. Die haben wir nun selbst programmiert.

kress: Wann wird auch „Zeit Online“ ein responsives Design bekommen?

Wegner: Wir werden das neue Grundkonzept auch für „Zeit Online“ verwenden. Im Herbst stellen wir auch hier auf responsiv um.

kress: Sie veröffentlichen im „Zeit Magazin“ viele lange Texte. Ist das Smartphone überhaupt das passende Gerät für ein solches Medium?

Wegner: Unsere langen Texte werden auch jetzt schon auf dem Smartphone gelesen. Das zeigt etwa die Auswertung unserer Storytelling-Projekte bei „Zeit Online“. Mehr als 40% der Nutzer haben diese sehr langen Geschichten auf dem Smartphone gelesen. Die Nutzung solcher Artikel auf dem Handy nimmt extrem zu. Natürlich wollen Leute, die sich morgens um sechs Uhr schnell übers Weltgeschehen informieren, auf dem Handy keine langen Texte lesen. Aber es gibt auch diejenigen Nutzer, die in der U-Bahn sitzen, Zeit haben und genau danach suchen.

kress: Welche Nachteile haben Sie für das neue Design in Kauf genommen?

Wegner: Wir können nicht mehr pixelgenau arbeiten. Wir müssen alle Bildschirmgrößen mitdenken, nicht nur den Bildschirm des Kollegen, der die Seite gestaltet.

kress: Sie haben im Web drei „Zeit Magazin“-Ressorts geschaffen: Mode & Design, Essen & Trinken und Leben. Fehlt da nicht ein wichtiges Element des Magazins, nämlich die gesellschaftspolitische und sozialkritische Berichterstattung?

Amend: Im Gegenteil. Bisher konnten wir die gesellschaftspolitischen, oft über Monate recherchierten Reportagen nur mit einem erheblichen technischen Aufwand als digitale Longform produzieren, wie etwa Carolin Emckes „Zeit Magazin“-Titelgeschichte über das Schicksal von Asylbewerbern in Deutschland   … den ganzen Artikel lesen

Autor dieser Kress-Report-Meldung: Henning Kornfeld

Quelle: kress.de

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Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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