Mathias Döpfner über sein Treffen mit Frank Schirrmacher

Zum letzten Mal begegnet bin ich Frank Schirrmacher   am Samstag ( 7. Juni) in Rom. Am Vormittag saßen wir zum Frühstück auf einem Balkon oberhalb der Spanischen Treppe und führten ein Männergespräch, schreibt Axel-Springer Boss Mathias Döpfner in einem Gastbeitrag in der „FAZ“ am 13. Juni.

Deutschland trauert um Frank Schirrmacher

Deutschland und die westliche Welt trauerte um Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher (Foto) sei bester Dinge gewesen & voller Optimismus. Ungewöhnlich ruhig, bei sich, habe er erzählt, wie wichtig es sei, Erfolge zu genießen. „Er freute sich, mit seinem Buch ‚Ego‘ der allgemeinen Erkenntnis ein zwei Jahre voraus gewesen zu sein. Er genoss die Durchschlagskraft seiner jüngsten, vielleicht wichtigsten Debatte über Digitalisierung und Datenmacht“, berichtet Döpfner über das Treffen. Er, Mathias Döpfner und Frank Schirrmacher hätten sich in den letzten Jahren oft und gerne ausgetauscht.

„Für das Feuilleton der ‚FAZ‘ geboren“

Zum ersten Mal ist Döpfner Schirrmacher vor dreißig Jahren begegnet, auf dem Flur des Feuilletons der „FAZ“. Schirrmacher, der „Student aus Heidelberg“ sei da noch Volontär gewesen. Schon am ersten Tag habe es aber in den Ressorts geraunt: auf den müsse man achten. Eine merkwürdige Aura der Bedeutung habe den Jüngling mit dem kindlichen Gesicht umgeben, erinnert sich Mathias Döpfner, der damals freier Mitarbeiter der „FAZ“-Musikredaktion war. Schnell sei klar geworden, Frank Schirrmacher – zu dieser Zeit 24 Jahre alt – sei für das „Feuilleton“ der „FAZ“ geboren worden. Jeder habe die intellektuelle Ausnahmebegabung sofort erkannt. „Er hatte alles gelesen, wusste stets mehr als die Kollegen und assoziierte, phantasierte und inspirierte mit einer Sprachgewalt, der niemand gewachsen war; […] keiner interpretierte und deutete so treffend und wirkungsmächtig wie Schirrmacher.“ Er sei ein Deutungskünstler gewesen und geblieben.
„Nie einem begeisterteren und begeisternderen Menschen begegnet“

Die Grundlage dieser Wirkungsmacht sei „manische Begeisterungsfähigkeit“ gewesen.
„Ich bin nie einem begeisterteren und begeisternderen Menschen begegnet als Frank Schirrmacher“, so Döpfner. „Er hatte das, was vielleicht überhaupt das wichtigste Erfolgsgeheimnis charismatischer und deshalb erfolgreicher Journalisten ausmacht: jene gut bemessene Portion Hybris, die nötig ist, um sein Publikum zu faszinieren – was ihn interessierte hatte gefälligst auch die deutsche Öffentlichkeit zu interessieren.“

„Alle Großen bleiben Kinder“

Begeisterungsfähigkeit sei der Treibstoff von Frank Schirrmachers gesamtem dreißigjährigen publizistischem Wirken gewesen. Döpfner vergleicht Schirrmacher mit einem großen Kind: „Frank Schirrmacher ist immer und bis ganz zuletzt ein großes Kind von Schlitzohrigstem geblieben. Das war seine Stärke. Alle Großen bleiben Kinder. Ich kenne keinen einzigen wirklich Großen, der erwachsen ist.“

Jetzt, vergangenes Wochenende habe Schirrmacher in Rom zu Döpfner gesagt, dass er ganz Neues plane, schließlich lebe man nur einmal. Es sei die Aufgabe eines jedes, mit seinem Leben das Maximum zu machen. Der „FAZ“-‚Mitherausgeber habe von einer „Mondlandungsmission“ gesprochen. „Er war ganz der Alte, also jünger denn je“, beschreibt Döpfner.

„Er hatte es endlich gefunden: das Leben. Das Glück“

Das Wichtigste, was Schirrmacher so gerne gegeben und selbst so dankbar empfangen habe, sei „echte Freundschaft“ gewesen“. Vielleicht habe er das gespürt und sei auch deshalb, auf dem Höhepunkt seines Erfolges, so empathisch und zugewandt wie nie zuvor gewesen. Schirrmacher habe gelöst gewirkt, so Döpfner. „Alles in seinem Leben hatte sich gefügt, gut gefügt. Der früher so Ruhelose war angekommen. Auch an diesem römischen Vormittag sah ich ihn in Gedanken immer wieder vor mir, auf der Terrasse sitzend, in seinem schönen Potsdamer Haus am See. Liebend. Und geliebt. Von seiner Tochter Gretchen. Und seiner Frau Rebecca, die ihm alles war. Nach den vielen ruhelosen Jahren hatte er es endlich gefunden: das Leben. Das Glück.“

Als Döpfner wieder zuhause angekommen war, habe Schirrmacher ihm bestens gelaunt eine zukunftszugewandte SMS geschrieben: „Ich möchte, dass wir unseren Plan verwirklichen. Adriatische Stimmung des Lebens: also mediterran sonnig.“

Schirrmacher sei nach einem schnellen, intensiven Leben gestorben, endet Döpfners Beitrag im aktuellen „FAZ“-Feuilleton. „Das ist das Einzige, was uns trösten kann“.

Hintergrund: Frank Schirrmacher ist vergangenen Donnerstag im Alter von 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben   … den ganzen Artikel lesen

Autor dieser Kress-Report-Meldung: Marc Bartl

Quelle: kress.de

Über Karl-Heinz Hänel

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