Google benachteiligt deutsche Verlags-Websites

Eine Folge des Urheberrechts-Steites zwischen Google und der VG Media:   Philipp Justus, Managing Director Google Germany, hatte in einem Blogpost angekündigt, dass Google Snippets (Textanrisse) und Thumbnails (mögliche Vorschaubilder) von Webseiten wie „bild.de“, „bunte.de“ oder „hoerzu.de“ nicht mehr anzeigen wird. Also Auftritte jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten will Google auf Google News und bei der Google-Suche nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen. Justus weist daraufhin, dass andere große deutsche Anbieter (GMX, Web.de und T-Online) die Inhalte von Mitgliedern der VG Media sogar vollständig entfernt hätten.

Betroffen davon sind gut 170 Verleger-Websites in Deutschland, darunter Angebote von Axel Springer, Burda, Funke, Madsack und M. DuMont Schauberg. Weiterhin stehen 20 Sites von TV-Sendern sowie neunundfünfzig Angebote von Hörfunkstationen auf der Liste der VG Media.

Die Verwertungsgesellschaft hatte nach eigenen Angaben alle Verwerter des Presseleistungsschutzrechtes zu Verhandlungen aufgefordert. Soweit erforderlich, werde man die Zahlung einer angemessenen Vergütung gegenüber allen gewerblichen Nutzern auf dem Rechtsweg durchsetzen, kündigte die VG Media im Juni an. Daraufhin kam es zu Klagen gegen Google, 1&1 („web.de“, „gmx.de“) und Yahoo (kress.de berichtete).

Google begründet nun sein Vorgehen mit dieser Klage auf Zahlung durch die VG Media. Man bedauere deren juristischen Schritt, „denn jeder Verlag konnte schon immer selbst entscheiden, ob und wie seine Inhalte in unseren Diensten angezeigt werden“, hebt Google-Deutschlandchef Justus hervor. Er verweist darauf, dass rund 5.000 deutsche Nachrichtenseiten – von „FAZ“ bis „Süddeutsche„, von „Spiegel“ bis „Zeit“ – ihre Inhalte über die Google-Suche oder Google News zugänglich machten.

Justus: „Jahrhundertelang war die Reichweite des gedruckten Papiers für Verlagshäuser begrenzt. Das Internet hat dies entscheidend verändert und großartige Chancen, aber auch beträchtliche Herausforderungen für Verlagshäuser mit sich gebracht. So hat sich zum Beispiel der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Leser und um Werbeerlöse verschärft. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Verlagsbranche dabei zu unterstützen, diese Herausforderungen zu meistern. Daher freuen wir uns auf die weitere gemeinsame Arbeit mit tausenden von Verlagspartnern überall auf der Welt und natürlich auch in Deutschland.“

„Google will das Bundestags-Gesetz ins Leere laufen lassen“

VG Media reagierte am Mittwoch mit harter Kritik auf das Vorgehen von Google, sogar von „Erpressung“ ist in einer Mitteilung die Rede. Der US-Internetkonzern diskriminiere diejenigen Verleger, die ihr Presseleistungsschutzrecht über die VG Media zivilrechtlich durchzusetzen versuchten. Die Inhalte derjenigen Presseverleger, die eine Durchsetzung ihrer Rechte nicht wagten, stelle Google weiterhin dar.

„Die Wahrnehmung und Durchsetzung des Presseleistungsschutzrechts, welches den Presseverlegern vom Gesetzgeber erst zum 1. August 2013 gewährt wurde, um ihnen eine angemessene Vergütung für die Nutzung ihrer Inhalte zu sichern, wird von Google nun zum Anlass genommen, eine Marktmacht von 93 Prozent zu Lasten der Presseverleger zu missbrauchen“, erklärte VG Media. Ziel Googles sei es offensichtlich, die Zustimmung der Verleger zu einer unentgeltlichen Nutzung der Inhalte zu erzwingen und das Gesetz des Deutschen Bundestages leerlaufen zu lassen.

Keiner der bei der VG Media organisierten Verlage habe Google aufgefordert, die verlegerischen Inhalte auf irgendeiner der Google-Oberflächen nicht mehr anzuzeigen. Den Presseverlagen gehe es lediglich um eine ungehinderte Durchsetzung der Ansprüche auf Zahlung einer angemessenen Vergütung. Diese dürfe nicht „auf kartellrechtswidrige Weise vereitelt werden“.

„Nun liegt es Bundeskartellamt“

Der Geschäftsführer der VG Media, Markus Runde, verdeutlichte: „Es geht den Presseverlegern um eine angemessene Vergütung aus der Verwertung des Presseleistungsschutzrechts. Das ist der urheberrechtliche Teil dieses Sachverhaltes, der nur von der Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt und den Zivilgerichten geklärt werden kann. Das Kartellrecht hat die ungehinderte Rechtsdurchsetzung dort sicherzustellen, wo ein Marktbeherrscher seine Macht missbräuchlich nutzt, um unentgeltliche Nutzung zu erzwingen. Nun liegt es am Bundeskartellamt, das Verhalten von Google, wie angekündigt, zu überprüfen.“von Marc Bartl / Kress.de

Ein Erklärungsversuch von:
https://www.facebook.com/felixbeilharz.de/

Falls ihr aufgrund der aktuellen Berichte rund um ‪#‎Google‬ und die ‪#‎Verlage‬ genau so verwirrt seid wie ich, hier mal die ganze Story in Kurzfassung.

1. Es gibt eine Suchmaschine, die täglich etwa. 4 Milliarden Mal genutzt wird.

2. Diese Suchmaschine listet kostenlos Websites nach Relevanz und verteilt so diese 4 Milliarden Klicks auf die (prinzipiell) besten Anbieter von Informationen.

3. Damit liefert die Suchmaschine vielen Websites täglich Tausende, Hunderttausende oder Millionen von kostenlosen Besuchern, die dort wiederum einkaufen, Werbung betrachten oder sonstwie für Umsatz sorgen.

4. Auf der anderen Seite gibt es große Verlage, die mit genau solchen Besuchern ihr Geld verdienen. Je mehr Besucher, desto besser.

5. Manche dieser Verlage beschäftigen sogar Personen oder ganze Teams mit der Aufgabe, in dieser Suchmaschine noch besser gefunden zu werden und damit noch mehr Besucher zu bekommen.

6. Die Suchmaschine zeigt einen Ausschnitt von wenigen Zeilen der gefundenen Seite an, um potenzielle Besucher neugierig zu machen. Das Ziel der Suchmaschine ist es tatsächlich, die Ausschnitte so zu präsentieren, dass möglichst viele Menschen die dahinterliegenden Seiten besuchen.

7. Wie dieser Ausschnitt aussehen soll, können die Webseiten weitgehend selbst bestimmen. Auch hier geben sich manche große Mühe, um durch auffällige Ausschnitte noch mehr Besucher anzuziehen.

Und jetzt wird’s spannend:

8. Anstatt der Suchmaschine auf Knien dafür zu danken, dass sie ihnen völlig gratis so viele Besucher liefert (mit denen sie Millionen verdienen), entschließen sich einige Verlage, die Suchmaschine dafür zu verklagen, dass sie diese Ausschnitte in den Suchergebnissen einblendet.

9. Von der Möglichkeit, der Suchmaschine das Anzeigen der Ausschnitte und damit auch der ganzen Seite zu verbieten, hat jedoch kein Verlag Gebrauch gemacht.

10. Die Suchmaschinde findet diese Klage gar nicht so toll und verzichtet nun auf die Darstellung dieser Ausschnitte der Verlagsseiten in ihren Suchergebnissen. Das wird zwangsläufig zu deutlich weniger Besuchern der Verlagsseiten führen.

Mist, ich versteh’s immer noch nicht. ‪#‎leistungsschutzrecht‬

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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