Lohnt es sich noch, Journalist zu werden?

Früher hätte ich auf diese Frage eine simple Antwort: Ja, auf jeden Fall

Aber früher war früher und weil früher früher und vieles auch tatsächlich sehr viel einfacher war, wurde diese Frage früher ja auch so gut wie nie gestellt.

Umgekehrt kann man sich also leicht ausrechnen, dass es für die auffällige Häufung dieser Frage auch Gründe geben muss. Und weil das zweifelsohne so ist, habe ich heute auf diese Frage immer zwei Antworten parat.

Die eine Antwort geht so: Journalismus ist unverändert einer der aufregendsten und wunderbarsten Jobs, die man sich vorstellen kann. Es ist einer dieser seltenen Glücksfälle, in denen man eine spannende Tätigkeit mit dem guten Gefühl verbinden kann, irgendwas Sinnvolles zu tun, von dem im Idealfall auch noch andere profitieren. Man sieht im Idealfall ein bisschen was von der Welt, man lernt interessante Menschen kennen, jeder Tag ist ein bisschen anders und wenn es dann noch richtig gut kommt, dann verdient man dabei sogar noch ziemlich passabel Geld. Es ist zwar seit jeher so, dass man jungen Journalisten sagt, dass sie, wenn es ihnen hauptsächlich ums Geld geht, besser einen anderen Job machen sollten. Aber weil man ja nicht nur arbeiten, sondern auch ganz gut leben will, ist es angenehm, wenn der Job ein gutes Auskommen sichert. Man ist ja nicht als Franziskaner auf die Welt gekommen.

Klar, das ist der Idealfall. Schon immer gewesen. Natürlich gab es auch im Journalismus schon immer Dinge, die man nur so mittelgut finden konnte. Und nicht jeder Job in einer Lokalredaktion war (und ist) so prickelnd, als dass man jeden Morgen mit Hurra an den Schreibtisch geht. Aber das gibt es ohnehin in keiner einzigen Branche. Weswegen mein “Ja” zu diesem Job so gesehen immer noch mit gutem Gewissen kommt.

Mittlerweile gibt es aber noch eine andere Antwort. Die ist nach 30 Jahren in diesem Job naturgemäß nicht mehr ganz so euphorisch. Aber nicht nur diese 30 Jahre und die damit zwangsweise einsetzenden Ernüchterungen haben damit zu tun. Sondern auch die Tatsache, dass sich in diesen 30 Jahren vieles verändert hat. Manches davon ist großartig. Vieles hat Schattenseiten. Solche Schattenseiten, die ich jemandem, der mich danach fragt, nicht mehr verschweigen würde. Diese Seiten haben – ganz unromantisch – viel mit den Rahmenbedingungen zu tun, unter denen dieser Beruf inzwischen stattfindet.

Auf die Uhr schauen

Unlängst habe ich mich mit einem Freund und Kollegen unterhalten, der viel fürs TV produziert. Irgendwann mitten im Gespräch mussten wir beide erst herzhaft lachen, um danach festzustellen, dass das gar nicht zum lachen, sondern eher traurig ist. Wir hatten beispielsweise festgestellt, dass es bei uns in der Branche durchaus üblich ist, mit seinen Ideen und seiner Arbeit in Vorleistung zu gehen, ehe man eventuell und vielleicht einen Auftrag daraus generieren kann. Das sollte man mal einem Rechtsanwalt oder Steuerberater sagen: Schreiben Sie uns doch mal ein paar Entwürfe der Klageschrift oder der Steuererklärung, danach entscheiden wir dann, ob wir sie nehmen. Der wird herzlich lachen, der Anwalt. Weil er es sich tendenziell sogar leisten kann, Vorschüsse zu kassieren, ehe er überhaupt mit seiner Arbeit beginnt.

In unserer Branche hingegen haben sich merkwürdige Dinge eingebürgert. Man sagt jungen Kollegen in den Redaktionen schon mal allen Ernstes, dass unserer Beruf einer sei, in dem man nicht auf die Uhr schaue. Und einer, in dem der Spaß an der Freud immer noch mehr zähle als der monatliche Kontoauszug. Das ist zwar tendenziell nicht von der Hand zu weisen und im Grunde hat man mir als jungem „Volo“ auch schon ähnliche Dinge erzählt. Aber als Dauer-Begründung für ungefähr alles geht das dann doch irgendwie nicht durch. Auswüchse wie die “HuffPo”, die Bloggern mit dem Verweis auf die Reichweite kostenlos Texte abnimmt, sind zwar selten, aber dennoch: Die Begründung, man habe leider für sowas wie Journalismus gerade nicht so wahnsinnig viel Budget übrig, hört man immer wieder gerne mal. den ganzen Artikel lesen

Christian Jakubetz ist Journalist, Dozent und Buchautor
und Mit-Herausgeber von „Universalcode: Das Buch zum digitalen Journalismus

Dieser Beitrag ist zuerst auf dem Blog von Christian Jakubetz erschienen.

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Über Karl-Heinz Hänel

Karl-Heinz Hänel ist freier Reise- u. Bild-Journalist, betreibt Storytelling online und zeichnet redaktionell verantwortlich Nach mehrjähriger Mitarbeit für die TV-Sender ARD und ZDF, sowie für internationale Bildagenturen, wechselte der studierte Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschaftsfotograf 1995 in den Reisejournalismus, nachdem ihn zunächst nach einer Standortsuche das Thema Toskana nicht mehr los lies. 2004 veröffentlichte GEO-Saison für Geniesser Toskana eine Reportage über seine Spurensuche in der Val d'Orcia. 2006 entwickelte Karl-Heinz Hänel das Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer http://www.Paradies-Italien.de , 2008 das Portal http://www.Liebhaberreisen.de und 2013 folgte der Blog http://Blog.Liebhaberreisen.de
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