Blinddate mit Joaquin

Ich habe mich für ein paar Tage mit Joaquin auf den Bermudas getroffen.
Es ist sowas wie ein mehrtägiges Blinddate mit einem extrem stürmischen Typen.
Ich wusste nämlich vorher gar nichts von ihm. Erst am Flughafen JFK in New York habe ich erste Gerüchte gehört. Der Kapitän meiner Maschine begrüßte die Kollegen des ankommenden Fluges mit der Bemerkung er müsste „in front of a hurricane“ fliegen. Wie, Hurrikan? Ich war einfach zu früh am Morgen aufgestanden und dann von Hamburg über Frankfurt nach New York geflogen und hatte daher gar nichts mitbekommen. Der Kapitän sah aber sehr vertrauenswürdig und erfahren aus, also hatte ich keine Angst, dass wenn er fliegt, das auch gut hin bekommt. Den Flug habe ich dann fast komplett verschlafen, es hat aber nicht geschaukelt und die pünktliche Landung war auch ganz sanft. Draußen war es dann extrem schwülwarm, regnerisch und doch ziemlich windig. An dem Abend sollte noch ein Flug aus Miami landen, am nächsten waren sicherlich alle Flüge gecancelt.

Denn es ging erst los. Der Hurrikan hatte schon verheerende Schäden auf den Bahamas angerichtet und an der US-Ostküste für erhebliche Überschwemmungen gesorgt.

Am Sonntag war jedenfalls an Beach (mit dem sagenhaften rosafarbenen Sand) nicht zu denken. Es kam auch genug Wasser von oben. Jedenfalls draußen. Der Wasserdruck und die Menge waren jedenfalls erheblich mehr als das was aus der Dusche kommt.

in front of a hurricane © Copyright by M. A.

in front of a hurricane © Copyright by M. A.

Mittags wollten wir dennoch kurz mal raus und einen ganz kleinen Eindruck der Front Street in Hamilton bekommen. Das war keine große Entfernung vom Hotel aus.
Da wir schon etwas hungrig waren, haben wir zuerst in eine benachbarte Sportsbar geguckt. Dort war alles voller Arsenal London Fans in Trikots und es lief die Live Übertragung gegen ManU. Die Bundesliga lief da jedenfalls nicht. Es war uns dann doch zu voll und wir sind weiter gezogen.
Die Läden haben am Sonntag sowieso geschlossen. Leider hatte dann auch noch die Tankstelle zu, wo ich mir stilles Wasser kaufen wollte. An das Wasser aus dem Hahn habe ich mich nämlich nicht ran getraut. Da es auf der Insel keine Quellen gibt, wird das Regenwasser (von den Dächern?) aufgefangen.
An der Front Street konnte ich ganz am Anfang ein Foto vom Wasser machen, da fing es dann auch schon richtig an zu gießen. Da ist man schnell patschnass. Zum Glück haben wir dann ein geöffnetes Lokal gefunden, wo wir eine Kleinigkeit zum Essen bekamen, war auch gar nicht so extrem teuer, wie sonst alles hier.
Gestärkt haben wir uns wieder raus gewagt. Mittlerweile hatte der Hurrikan schon erheblich zugelegt. Starke Böen trieben den heftigen Regen fast waagerecht vor sich her. Tja, nützt nix, wir mussten ja zurück. Das einzig Positive daran war, dass das Wasser und die Luft sehr warm waren.

in front of a hurricane © Copyright by M. A.

in front of a hurricane © Copyright by M. A.

Im Hotel angekommen waren alle (alle!) Klamotten am Leib tropfnass und sie Schuhe komplett durchgeweicht. Auch 24 Stunden später war noch nicht alles trocken, obwohl ich mit dem Föhn etwas nachgeholfen habe.
Ist schon gewöhnungsbedürftig, dass man bei solch einem S….Wetter drinnen die Klimaanlage laufen haben muss, weil es so warm ist. Zum Glück hatten wir wenigstens mittags etwas gegessen, weil es sich am Abend als unmöglich heraus stellte. Die Geschäfte und Tankstellen hatten sowieso zu. Die Restaurants und Bars mittlerweile auch. Alles war verrammelt und alle Leute haben sich zuhause eingeigelt. Kein Mensch auf der Straße. Unsere letzte Chance schien ein nahe gelegenes Hotel zu sein. Tja, schien. An der Bar haben sie an dem Abend nichts serviert, in dem Restaurant war eine private Feier, in dem zweiten Restaurant ging es extrem schick zu und es schien nur für Hotelgäste zu sein. Wir fühlten uns jedenfalls extrem underdressed und vom „Winde verweht“, so dass wir diesen Versuch abgebrochen haben und uns wieder zu Joaquim nach draußen begeben haben. Mittlerweile war er ziemlich furchteinflößend und wir wollten lieber schnell (und sicher) zurück in unsere Unterkunft. Dort blieben und dann Kartoffelchips, Nüsse und eine Cola aus der Minibar. Ich hatte auch noch zwei Pralinen vom Lufthansaflug – für drei Personen. Wenigstens die Minibarpreise waren human, auch wenn das nun keine Rolle mehr gespielt hätte.
Danach habe ich zwei Wetterkanäle im Fernsehen gefunden zwischen denen ich immer hin und her gewechselt bin um mehr zu erfahren. Die Bermudas sind ziemlich klein und es ist extrem unwahrscheinlich, dass das Zentrum eines Hurrikans darüber hinwegfegt. Joaquin hat aber unsere Verabredung ernst genommen und pünktlich eingehalten.

Die Einheimischen meinten, es könnte höchstens der Strom mal ausfallen, aber in der Stadt wäre er normalerweise schnell wieder da. Nachts hätte ich es auch nicht so tragisch gefunden, schließlich schlafe ich gern im Dunklen. Der Strom ist nicht ausgefallen, nur ein paar Mal flackerte das Licht.
Ich habe gar nicht schlecht geschlafen. Die Lautstärke war gar nicht schlimmer als die Nacht davor. Hier gibt es nämlich kleine Frösche, die einen Riesenrabatz machen. Es hört sich an als waren alle Auto-Alarmanlagen eines vollbelegten Parkhauses am Flughafen auf einmal losgegangen. Eher wie eine Mischung aus (deutlich lauteren) Grillen und Vögeln. Unsere heimischen Frösche haben deutlich dunklere Töne in einem gemütlicheren Rhythmus drauf. Und sind leiser.

Heute Morgen ( 28.September) ist Joaquin immer noch ordentlich am wüten. Welch Kondition! Wenigstens ist es hell. Wir wollten mit dem Taxi zur Arbeit. In der Taxizentrale war aber niemand und auch das Büro macht frühestens mittags auf.
Solange arbeiten wir nun vom Hotel aus. Strom und WLAN ist noch da. Joaquin auch …

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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