Hat das gedruckte Wort noch eine Zukunft?

Ein öffentliches Bekenntnis zur Tageszeitung

Als die „Rheinische Post“ im Oktober 2010 ihr neues Druckzentrum offiziell eröffnete, fand Herausgeber Gottfried Arnold klare Worte.

Die Zeitung, so erklärte er damals deutlich, solle „bestrebt sein, einer suchenden Gesellschaft Teilhabe am Wissen unserer Zeit zu verschaffen“.

Hintergrund: Gottfried Arnold, Herausgeber der „Rheinischen Post“, ist tot.

Er erlag am Mittag des 28. Dezember 2015 im Alter von 82 Jahren seinen Leiden.

„Wir verlieren in ihm einen klugen Verleger“, so BDZV-Präsident Helmut Heinen. Die Auferstehungsfeier für Gottfried Arnold wird gehalten am Samstag, den 9. Januar 2016 um 17 Uhr in der St. Anna-Kirche in Düsseldorf-Niederkassel, Kanalstraße 2. Zu Arnolds Ehren veröffentlichen wir seine Gedanken zur Zukunft des gedruckten Wortes.

Quelle: Bülend Ürük, Chefredakteur kress.de

„Öffentliches Bekenntnis zur Tageszeitung“

Unser öffentliches Bekenntnis zur Tageszeitung steht in Beton und Stahl an der Autobahn 52 zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf: das neue, erweiterte Druckhaus der Rheinischen Post, ein eindrucksvolles Zeichen unserer Zuversicht. Wir sind überzeugt: Der nachlesenswerte Artikel – und damit die Zeitung – wird Zukunft haben. Wenn die Gesellschafter unseres Hauses am Standort Düsseldorf 40 Millionen Euro in modernste Drucktechnik investieren, dann ist das ein starker Beweis für dieses Vertrauen in die Zukunft. Wir zeigen, wie sehr wir auch im 21. Jahrhundert – dem Zeitalter von Internet, von Laptop, iPhone-Apps und iPad – auf das gedruckte Wort, auf die Tageszeitung setzen. Diese Zuversicht ist getragen von der Überzeugung, dass Zeitung mehr zu bieten vermag: fundierte Information und durchdachte Meinung.

„Medienhaus muss sich breit aufstellen“

Dass wir gleichzeitig mit RP Online eines der bedeutenden deutschen Nachrichtenportale betreiben, widerspricht dieser Überzeugung nicht. Ein Medienhaus muss sich breit aufstellen und das Internet und andere, neue elektronischen Möglichkeiten nutzen, um den selbst gestellten Auftrag zu erfüllen. Die Marke Rheinische Post steht für Qualitätsjournalismus – mit der Zeitung, im Internet und demnächst auch auf dem iPad. Die Mediengruppe Rheinische Post wirkt multimedial und ist international engagiert – mit angesehenen Tageszeitungen in Tschechien, mit Lokalzeitungen in Polen, mit Anzeigenblättern in den Niederlanden, in Deutschland mit vielfältigen Beteiligungen, mit Print-, Radio-, TV- und Online-Angeboten.

Flaggschiff des Unternehmens ist und bleibt die Rheinische Post. Als Regionalzeitung mit bundespolitischem Anspruch ist sie eine publizistisch wie wirtschaftlich erfolgreiche Marke. Wir verstehen uns als „Stimme des Westens“, die auch in Berlin gehört wird. Die Rheinische Post hat Gewicht, hat täglich mehr als eine Million Leser und sieht sich als Mittler – von Nachricht, Nutzwert, Emotion. Wir sind mehr als ein Nachrichtengeber. Wir wollen Wissen weiter geben und damit täglich neu einen Bildungsauftrag erfüllen.

„Bekenntnis zur Qualitätszeitung“

Das Bekenntnis zur Qualitätszeitung ist so aktuell wie 1946, als es von den Begründern Anton Betz, Erich Wenderoth und Karl Arnold niedergelegt wurde. Die Anstrengungen, die dafür unternommen werden, täglich eine moderne, optisch ansprechende und inhaltlich aufgeräumte Zeitung zu planen, zu gestalten und zu drucken, haben sich im Wettbewerb ausgezahlt. Die Zeitung ist mit der Zeit gegangen – und gerade deshalb geblieben, wie Karl Arnold es vor 64 Jahren formulierte: Ein Abbild ihrer Zeit. Ein Beleg für eine pulsierende, wirtschaftlich und kulturell starke Region, für ein aufstrebendes Land, für eine bewegte Gesellschaft.

Die Rheinische Post versteht sich als Dienstleister. Sie fühlt sich zuallererst ihren Lesern verpflichtet. Maßstab ihres Handelns ist der Mensch. Sie tritt seit ihrem ersten Erscheinen ein für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde. Sie steht in der christlichen Tradition ihrer Gründer, offen für alle Fragen, die sich aus politischen, kulturellen oder geistigen Strömungen ergeben. Und sie ist bestrebt, Antworten darauf zu geben, einer suchenden Gesellschaft Teilhabe am Wissen unserer Zeit zu verschaffen.

„Anforderung ist gestiegen“

Heute erreicht die Rheinische Post mit einer verkauften Auflage von 360.000 Exemplaren täglich rund eine Million Leser. 236 engagierte Redakteure und Volontäre berichten an sechs Tagen in der Woche aus der Zentralredaktion in Düsseldorf, der Parlamentsredaktion in Berlin und aus 29 Lokalredaktionen, vom Bergischen Land bis zum Niederrhein, was die Welt, was die Nation, was die Region bewegt. Dabei hat es die Zeitung mit Konkurrenten zu tun, die es anfangs nicht gab: Im Fernsehen haben sich reine Nachrichtenkanäle etabliert, im Internet verbreiten sich Neuigkeiten mit nie gekannter Rasanz. Nicht nur das Tempo hat zugenommen, auch die Anforderung ist gestiegen, schneller zu sein, besser zu sein, exklusiver zu sein als die anderen.

Gerade deshalb ist es heutzutage so wichtig, dass Verlage und Redaktionen verantwortungsbewusst mit Nachrichten umgehen. Eine der größten Herausforderungen für die Medien im 21. Jahrhundert liegt darin, der Versuchung zu widerstehen, die Sorgfalt der Sensation zu opfern. Unser selbst gesetzter Anspruch ist Qualität. Das schätzen Zeitungsleser, das erwarten sie von der täglichen Ausgabe: zuverlässige, rasche Orientierung, qualifizierte Einordnung und Erklärung, vielfältiger Nutzwert und anspruchsvolle Unterhaltung.

„Im Dienst der Leser“

Auch zukünftig wollen wir als eine der auflagenstarken europäischen Tageszeitungen im Dienst der Leser und in Erfüllung der öffentlichen Aufgabe das bleiben, was wir jetzt sind: ein Blatt mit eigener Meinung, ein Pressehaus, dessen täglicher Auftrag darin besteht, jene kritisch zu begleiten, die Verantwortung in unserem Gemeinwesen tragen. Wir wollen Mut machen. Wir wollen unsere Leser tagtäglich mit verlässlichen Informationen versorgen. Wir tragen unsere Verantwortung aus Überzeugung, mit Freude, mit Zuversicht. So freuen wir uns über die eindrucksvollen technischen Möglichkeiten, die uns das neue Druckhaus bietet: Modernste Drucktechnologie wird helfen, unseren inhaltlichen Auftrag zu erfüllen.

Wir sind davon überzeugt: Das gedruckte Wort hat Zukunft.

Gottfried Arnold

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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