kress.de – Serie: Journalismus der Zukunft

Geht es nicht um das Gemeinsame? Um den Journalismus?

Lohnt der erbitterte Streit um Gedrucktes oder Online überhaupt?

Eröffnen wir doch eine Debatte, abseits vom Streit um Druckmaschinen und analoger wie digitaler Technik! Auftakt der großen kress.de-Serie zum „Journalismus der Zukunft“ von Paul-Josef Raue.

Zum ganzen Artikel

Vormerken: Der zweite Teil erscheint am Dienstag, 16. Februar, auf kress.de

Hintergrund: Paul-Josef Raue war bis vergangenen Oktober Chefredakteur bei der „Thüringer Allgemeine“

Quelle:  kress.de#

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

 

Kaum eine Branche streitet so verbiestert bis rufschädigend über ihre Zukunft wie die Medien: Druckmaschine oder Internet? Papier, neudeutsch: Print, oder Online?
„Mein Kind bekommt keine Zeitung mehr! Die kommt mir nicht ins Haus“, verkündet eine Journalistin, als warne sie vor einer Epidemie. Sie ist als Hohepriesterin des Internets eingeladen zu einem großen Kongress über die Lese-Förderung in Schulen.
 Lust am Zeitungslesen? Wer sie bei jungen Leuten fördern will, muss damit rechnen, belächelt zu werden. Wer selber noch mit Lust Zeitung liest, wird kaum noch ernst genommen. Die Hohepriester des Internets stellen die „Süddeutsche“, das „Flensburger Tageblatt“ und den „Spiegel“ schon auf die Rote Liste untergehender Kulturgüter, teils bedauernd, teils hämisch. Für sie sind Journalisten, die für Zeitungen und Magazine schreiben, Untote, die aus dem Jenseits in unsere Gegenwart taumeln zum letzten Gastspiel.
 Wie ein Mantra tönt es: „Die Verlage haben die Zukunft verschlafen.“ Die Gurus, die das Mantra beten, werden von Verlegern dennoch zu teuren Kongressen eingeladen und gut honoriert. Verleger und Manager hören brav zu und applaudieren, als wollten sie durchs Zuhören Buße leisten für die Sünde, doch noch Zeitungen und Magazine zu drucken – damit Geld zu verdienen und damit Online, das Paradies der Zukunft, zu finanzieren. Dabei fällt ihnen vor lauter Bußfertigkeit nicht auf, dass die Kritiker wenig Brauchbares empfehlen können außer „Guckt doch mal in die USA“ oder „Mehr Internet“.
 Selbst die „New York Times“, die 400 Millionen Dollar mit Online einnimmt, lebt von der gedruckten Zeitung. Ihr Chefredakteur Dean Baquet räumt ein: „Wenn wir Print morgen zusperren würden, könnte uns das Digitalgeschäft nicht am Leben erhalten.“
Die Papier-Online-Debatte lähmt viele Redaktionen – geht es nicht um das Gemeinsame?
 Über den Journalismus der Zukunft debattieren wir nur am Rande – und dann meist in einer Weltuntergangs-Stimmung wie bei Cordt Schnibben, wenn er sich um den Qualitäts-Journalismus sorgt: „Ich bin tief beunruhigt. Wir stecken in einer schweren Strukturkrise. Mich sorgt, dass die meisten meiner Kollegen noch zu satt und zu zufrieden sind.“
Cordt Schnibben, Top-Autor beim „Spiegel“, plant gerade eine Abendzeitung im Netz, um den Spiegel aus der Krise zu führen; er hatte vor einigen Jahren mit  „2020“ eine weitgehend folgenlose Zeitungs-Debatte begonnen, die er nicht weiterführte, weil das Interesse in der Branche gering war und nach den Zeitungen der Spiegel selber in die Krise gestürzt ist.
 Die Papier-Online-Debatte lähmt viele Redaktionen, die langsam vergreisen, weil in ihnen nach den Spar-Runden immer weniger junge Leute arbeiten. Die Mehrheit in den Redaktionen  stellen die digitalen Immigranten, zwischen 45 und 60 alt; viele von ihnen schauen verstört auf die digitalen Ureinwohner, weichen den meisten Veränderungen routiniert aus, flüchten in die innere Emigration und hoffen, noch einigermaßen unbeschadet die Rente zu erreichen. Sie trauern der Vergangenheit nach, verzweifeln an der Gegenwart und fürchten sich vor der Zukunft.
Aber lohnt überhaupt der erbitterte Streit um Gedrucktes oder Online? Geht es nicht um das Gemeinsame? Um den Journalismus?
Der Journalismus als Spiegel der Gesellschaft hat sich immer verändert  – erst recht in revolutionären Zeiten, die dem Internet folgen. Eröffnen wir also eine Debatte um den Journalismus der Zukunft, abseits vom Streit um Druckmaschinen und analoger wie digitaler Technik.
Verändert sich der Journalismus in der Internet-Ära? Ändert er sich sogar radikal? Lohnt eine Besinnung auf Grundsätze, die seit der Aufklärung gelten und für eine demokratische Gesellschaft geschaffen wurden? Oder sollen wir unsere Grundsätze auf den Scheiterhaufen der Geschichte zu werfen – aber noch ein wenig warten, ehe wir ihn anzünden?
 Fünf Kapitel hat „Der Journalismus der Zukunft“:
– Ist der Lokaljournalismus wirklich der Hoffnungsträger im Internet?
– Welche Journalisten braucht der Journalismus der Zukunft?
– Wie bilden wir Journalisten für die Zukunft aus?
– Was kommt nach der Lügenpresse?
Den Abschluss bilden die Antworten auf die Frage „Was bleibt?“. Es sind die acht Pfeiler des Journalismus:
1. Achte Deinen Leser!
2. Informiere umfassend und wahrhaftig!
3. Erkläre dem Leser seine Welt!
4. Schätze Debatten und gib ihnen Raum!
5. Recherchiere immer, recherchiere tief und kontrolliere die Mächtigen!
6. Sei fair!
7. Langweile Deinen Leser nicht!
8. Schreib verständlich! Ehre die deutsche Sprache!
Für „Leser“ kann, wer unbedingt will, auch das Wort „Nutzer“ einsetzen. Ich mag „Nutzer“ nicht: „Leser“ mag altmodisch sein, aber klingt schön und stimmt, denn auch im Internet lesen wir und nutzen dabei unseren Kaffeebecher.

Paul-Josef Raue

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, redaktionell verantwortlich und erzähle gern Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe, erstelle Erfahrungsberichte und betreibe hier Storytelling online. Meine Reisen publiziere ich als Fotoreportagen und Reisegeschichten, oft nach Einladung durch meine Medienpartner. Ich empfehle Hotels, Locations, Gastronomie-Betriebe, Reiseunternehmen, Reiseveranstalter, Filme, bespreche neue, ältere und sehr alte Bücher, Hörfunkbeiträge, Tourismus-Büros, Reise-Verbände und ja, ich publiziere Pressemeldungen ... profitieren auch Sie von meinen ganz persönlichen illustrierten Erfahrungen ... Nach dem Studium für Kommunikations-Design und anschließend mehrjähriger Mitarbeit bei der Kieler Rundschau, den TV-Sendern ARD und ZDF, sowie EUREKA TV, als auch bei namhaften internationalen Bildagenturen, wechselte ich als studierter Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschafts-Fotograf im Jahr 1995 in den Reise-Journalismus, nachdem ich zunächst nach einer Standortsuche von dem mich bis heute faszinierenden Thema Toskana nicht mehr los kam. 2004 veröffentlichte "GEO-Saison für Genießer Toskana" eine Reportage über meine Spurensuche in der toskanischen Val d' Orcia, dem Tal unterhalb des heiligen Berges Monte Amiata. 2006 entwickelte ich mein Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer Paradies-Italien.de, 2008 folgte das überregionale Portal Liebhaberreisen.de, 2012 startete ich diesen Blog.Liebhaberreisen.de, seit 2013 blogge ich Foto-Reportagen in der HuffPost ehemals Huffington Post Deutschland Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum
Dieser Beitrag wurde unter - Kress.de für Sie markiert abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.