News zu google

google © Copyright by PANORAMO Bild lizensieren: briefe@panoramo.de

google © Copyright by PANORAMO Bild lizensieren: briefe@panoramo.de

Google’s Ideological Echo Chamber…

In Mountain View brennt der Baum. Das geleakte Anti-Diversity-Memo eines Google-Mitarbeiters mit dem Titel „Google’s Ideological Echo Chamber“ ist inhaltlich sicherlich problematisch. Noch interessanter sind aber die vielfältigen Reaktionen darauf. Sie sind ein sehr gutes Beispiel für das Phänomen, dass es auf ein und denselben Sachverhalt eine Vielzahl von Perspektiven (und diesen folgenden Meinungen) gibt. Sie sind gleichzeitig ein Indiz dafür, dass ein offener Diskurs häufig zum reinen Austausch von Propaganda zu werden droht.

Ein Kommentar von Robert Franken.

Ich schrieb über die aktuelle Causa Google zunächst in meinem Blog. Im Artikel ging ich kaum auf den eigentlichen Inhalt des „Manifests“ ein (eine Tatsache, für die ich sehr kritisiert wurde), sondern stellte statt dessen die These in den Raum, dass ich den schnellen Rauswurf des Verfassers durch seinen Arbeitgeber nicht für die optimale Reaktion halte (wofür ich auch sehr kritisiert wurde). Ich gab meinem Blogpost den Titel „Was wir vom Anti-Diversity-Manifest bei Google lernen können“.

Interessant sind die Kommentare zu meinem Blogpost außerhalb meiner eigenen Echokammer, da mich die Kommentierenden dort i.d.R. nicht kennen. Einige Frauen etwa waren sich einig, dass ich durch meinen Hinweis darauf, dass man es sich in der Angelegenheit nicht so leicht machen dürfe und statt dessen Googles Diversity-Initiativen durchaus kritisch hinterfragen müsse, dem Verfasser das Wort reden würde.

In der Zwischenzeit hatte „Zeit Online“ meinen Beitrag zweitveröffentlicht und in diesem Zuge den Titel geändert. Und jetzt wurde es spannend. Die Plattform veröffentlichte meinen Text mit der Überschrift „Treibt die Nerds die Angst vor dem Statusverlust?“. Man hatte sich in der Redaktion also einen Nebenaspekt aus meinem Text herausgegriffen und diesen in den Titel gepackt. Es ging darin um die Frage, ob viele der Zeitgenossen des Manifest-Autors – an dieser Stelle können wir ihm einen Namen geben: Er heißt James Damore – sich nicht durch von Unternehmensseite verordnete Werte und den Aufschwung von Frauen in der Tech-Szene bedroht sehen könnten.

Die Reaktionen waren wiederum absehbar. Nun stürzten sich Programmierer auf mich als Autor, der ich sie als „Nerds“ diffamiert und der zudem das Manifest nicht verstanden hätte. Und gleichzeitig machten sich einige Anti-Feministen und Gender-Skeptiker daran meinen Text für ihre eigene Sache zu instrumentalisieren. Schließlich argumentiere ich ja gegen die ausgesprochene Kündigung.

Dabei wäre es gerade in dieser Angelegenheit so wichtig zu differenzieren. Google hat in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit und Geld in seine Diversity-Initiativen gesteckt. Nahezu jeder Artikel über Unternehmenskultur nennt Google als eine Art Vorzeigebeispiel. Natürlich ist Vielfalt etwas, was beim US-Unternehmen hoch im Kurst steht. Doch dahinter steht auch eine Agenda.

Die Vorteile einer an Diversity ausgerichteten Unternehmenskultur wurden bereits recht gut beleuchtet. Und für die Arbeitgebermarke ist das Bild vom Unternehmen, dass sich Vielfalt und Zugehörigkeit auf die Fahnen schreibt, gerade vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Kampfes um die besten Talente von größter Wichtigkeit. Daher kommt ein solcher Vorfall für ein Unternehmen wie Google zur Unzeit. Und deshalb auch die übereilte Reaktion: Mit einer Kündigung des Mitarbeiters versucht man einem drohenden Exodus weiblicher Entwicklerinnen Vorschub zu leisten, gleichzeitig fürchtet man Rechtsstreitigkeiten auf Basis der strengen Anti-Diskriminierungs-Gesetzgebung in den USA.

Leider läuft Google dabei auch Gefahr ungewollt eine Art Märtyrer aus dem Verfasser des Manifests zu machen. Denn er erhält sehr viel Zuspruch. Und das ist das eigentliche Indiz dafür, dass wir noch eine weite Strecke vor uns haben, wenn es um Gleichstellung oder gar Vielfalt in Unternehmen geht. Was wir aktuell erleben, ist eine z.T. sehr radikale Gegenbewegung gegen alles, was bestimmten Personengruppen als Angriff auf ihre Privilegien erscheint. Natürlich würden sie niemals zugeben überhaupt privilegiert zu sein. Und gerade deshalb sind die Reaktionen von so großer Vehemenz. Um sich auf andere Standpunkte in einer Debatte einzulassen, braucht es Sicherheit bezüglich des eigenen Standpunkts. Und das wiederum benötigt einen längeren Reflexionsprozess bezüglich der eigenen Rolle und des damit verbundenen Privilegs.

Und deshalb wäre es so gefährlich zu glauben, dass Google in seinen Bemühungen um eine Kultur auf Basis von Diversity & Inclusion schon sehr weit sei. Die Äußerungen von James Damore sind nur die Spitze des Eisbergs. So, wie er sich in seinem Dokument äußert, denkt ein Großteil der männlichen Bevölkerung. Damores Entlassung sehen sie als Beweis der eigenen Diskriminierung: Man dürfe ja gar nicht mehr seine Meinung sagen, es herrsche quasi Sprechverbot.

Damit stilisieren sich die Täter zu Opfern. Und das ist der eigentliche Skandal im aktuellen Fall: dass es diesen Menschen ermöglicht wird sich in die Opferrolle zu begeben. Das hätte Google anders lösen müssen. Die Folgen sind bereits absehbar. So musste eine kurzfristig anberaumte Vollversammlung mit CEO Sundar Pichai ebenso kurzfristig abgesagt werden, weil einige Mitarbeiter_innen sich öffentlicher Belästigung ausgesetzt sahen – ihre Fragen waren vorab von Alt-Right Aktivisten öffentlich gemacht worden.

Conor Friedersdorf schreibt in einem Beitrag für „The Atlantic“, dass er in der offiziellen Reaktion von Google auf das Memo die Klarstellung vermisse, welche Teile des Dokuments die Dinge enthalten, über die man durchaus reden könne („fair to debate“) und welche Teile konkret gegen die Grundwerte des Unternehmens bzw. den Code of Conduct verstoßen. Das Unternehmen sorge in diesem Zusammenhang für zusätzliche Verwirrung, so Friedersdorf.

Was kann man aus den Vorfällen lernen? In jedem Fall sollten wir anerkennen, dass wir noch längst nicht dort angekommen sind, wo wir hinwollen. Zu sehr bestimmen Stereotype unser Denken und Handeln. Hier braucht es erhebliche Bemühungen um für mehr Aufklärung zu sorgen, Vorurteile abzubauen und den Boden für ein neues Rollenverständnis zu bereiten. Kern sollte dabei die Förderung der eigenen Reflexionsfähigkeit sein. Erst dann, wenn ich weiß, wie und wo ich Teil von Diskriminierung bin, kann ich zur Lösung beitragen. Andernfalls bleibe ich ein Teil des Problems.

Umgekehrt nehmen Menschen das Konzept der Vielfalt übrigens dann gerne an, wenn sie Vielfalt erlebt haben. Eine reine Änderung der Einstellung führt dabei leider nicht zur Änderung des Verhaltens. Nur das wiederholt andere Verhalten selbst ist nachhaltig. Diese Rahmenbedingungen zu verstehen und anzuwenden ist für den Aufbau einer entsprechenden Organisationskultur unerlässlich.

Vielleicht ist es auch an der Zeit den alleinigen Fokus auf die Frauen wegzunehmen. Deloitte etwa macht in diesem Zusammenhang derzeit spannende Experimente: Dort löst man interne Frauennetzwerke wieder auf und kümmert sich statt dessen darum, dass die Männer im Unternehmen in die Lage versetzt werden Vielfalt zu fördern. Wenn sie das einmal können, müssen sie liefern.

Eines ist klar: Es gibt keine Blaupause um Diversity & Inclusion in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaften zu verankern. Man braucht einen langen Atem, muss individuelle Lösungen für den jeweiligen Kontext entwickeln und die eigenen Werte Tag für Tag vorleben. Das ist mitunter mühsam, aber letztendlich der einzige Weg.

Autor: Robert Franken

Hintergrund: Robert Franken unterstützt Unternehmen bei Positionierung, Strategie und digitalem Wandel. Ein Schwerpunkt sind Organisationskulturen sowie Diversity und Gender Equality. Er war u.a. CEO der Food-Plattform „Chefkoch.de“ und Vorstand der Familien-Community „urbia.de“.

Quelle: Kress.de

Wohin geht der Aktienkurs, kontinuierlich nach oben…

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, redaktionell verantwortlich und erzähle gern Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe, erstelle Erfahrungsberichte und betreibe hier Storytelling online. Meine Reisen publiziere ich als Fotoreportagen und Reisegeschichten, oft nach Einladung durch meine Medienpartner. Ich empfehle Hotels, Locations, Gastronomie-Betriebe, Reiseunternehmen, Reiseveranstalter, Filme, bespreche neue, ältere und sehr alte Bücher, Hörfunkbeiträge, Tourismus-Büros, Reise-Verbände und ja, ich publiziere Pressemeldungen ... profitieren auch Sie von meinen ganz persönlichen illustrierten Erfahrungen ... Nach dem Studium für Kommunikations-Design und anschließend mehrjähriger Mitarbeit bei der Kieler Rundschau, den TV-Sendern ARD und ZDF, sowie EUREKA TV, als auch bei namhaften internationalen Bildagenturen, wechselte ich als studierter Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschafts-Fotograf im Jahr 1995 in den Reise-Journalismus, nachdem ich zunächst nach einer Standortsuche von dem mich bis heute faszinierenden Thema Toskana nicht mehr los kam. 2004 veröffentlichte "GEO-Saison für Genießer Toskana" eine Reportage über meine Spurensuche in der toskanischen Val d' Orcia, dem Tal unterhalb des heiligen Berges Monte Amiata. 2006 entwickelte ich mein Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer Paradies-Italien.de, 2008 folgte das überregionale Portal Liebhaberreisen.de, 2012 startete ich diesen Blog.Liebhaberreisen.de, seit 2013 blogge ich Foto-Reportagen in der HuffPost ehemals Huffington Post Deutschland Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum
Dieser Beitrag wurde unter - Kress.de für Sie markiert abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.