Bilder im Web, von wo, von wem, für was?

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Im Web tummeln sich Bilder ohne Ende, woher kommen die eigentlich?
Zu jedem beliebigen Suchbegriff kann man sich bei Google-Bilder die damit in Verbindung gebrachten Bilder ansehen. Wer macht sich schon Gedanken darüber, woher diese Bilder stammen, wem sie gehören, ob man sie selbst auch verwenden darf, ob es dabei Regeln zu beachten gibt, wo man Bilder findet, wenn man sie braucht?

lizensfrei © Copyright by google Bilder

lizenzfrei © Copyright by google Bilder

Bilder werden im Web wie wild geteilt, kopiert, benutzt und verfremdet. Als Fotograf war das für mich schon immer interessant. Aber auch ärgerlich, meine Bilder auf fremden Websites zu finden, die irgend jemand per Screenshot kopiert hat, ohne mich um Erlaubnis zu fragen, ganz zu schweigen, mir ein Vergütungshonorar zukommen lassen hat.

Die Täter eines solchen Bilderdiebstahls ausfindig zu machen, ist sehr zeitaufwendig und braucht einen guten Anwalt, um an ein fälliges und rechtmäßiges Honorar zu kommen. Genauso unbefriedigend sind die Umstände, dass ich tausende guter Bilder habe, die keiner wahr nimmt und auch nicht findet, wenn er sie sucht, oder?

Kürzlich bin ich im Web über die Bildbeschaffer gestolpert.

© Copyright by die-Bildbeschaffer.de

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Was hat es mit der Website die-bildbeschaffer.de auf sich?

Ich fragte den Geschäftsführer Alexander Karst, der steht dort im Impressum und kennt sich mit Bilderrechten aus.

AK:
„Hinter unserer Website steht ein Team, tolle Menschen, die in unserem Büro im Hamburger Karoviertel persönlich ansprechbar sind. Wir sind seit 20 Jahren im Markt der Bildlizenzen, Bildrechte und Bildagenturen zu Hause. Ich persönlich war Pressesprecher von Getty Images – das war zur Jahrtausendwende, als die Fotografie von analogen Kleinbildfilmen auf digital umstellte und das Internet noch über ISDN-Leitungen zu uns kam.“

Frage:
„Beschaffen Sie Bilder? Sind denn nicht sowieso schon genug Bilder im Web?“

AK:
„Ja, es gibt doch eher zu viele Bilder. Und wir sprechen hier über das Internet. Hier sehen wir mittlerweile alles. Aber was bei der Erfindung von Copy & Paste vergessen wurde, ist einer der wesentlichen Grundsätze des Urheberrechts: Das Anfertigen einer Kopie ist genehmigungspflichtig.
Privatkopien außen vor, aber für Unternehmen und Publisher gilt: Die Google Bildersuche ist wie die Herbertstraße auf Sankt Pauli: Anschauen darf man. Anfassen kostet. Man darf also nicht einfach so jedes Bild kopieren und zeigen. Man muss sich schon noch mit dem Urheber verständigen und im Zweifel bezahlen. Dafür sind Bildagenturen und andere da. Wir machen das für unsere Kunden, weil wir wissen, wie das geht. Wer kostenlose Bilder sucht, der sollte in der Google Bildersuche einfach nach Lizenz filtern. Aber selbst kostenlose (gemeinfreie, public domain) Bilddatenbanken wie pixabay oder unsplash sind nicht sorgenfrei nutzbar.“

Frage:
„Herr Karst, was sind Bildrechte?“

AK:
„Bildrechte sind eine vielschichtige Angelegenheit. Dazu gehört beispielsweise das Urheberrecht, das Fotografinnen, Fotografen und ihre Bilder vor Diebstahl oder Plagiat schützt. Ein Foto kann aber noch viel mehr Rechte berühren: So werden vielleicht Personen darauf gezeigt, die nicht abgebildet werden wollen. In diesem Fall berührt es das sogenannte „Recht am eigenen Bild“, das zu den Persönlichkeitsrechten gehört. Dann gibt es noch die Abbildung anderer Kunstwerke, die im Grunde genommen eine Kopie eines Kunstwerks ist. Und wenn Fotografen auf dem Grundstück anderer Leute fotografieren wollen, müssen sie sich aufgrund des Hausrechts eine Foto-Genehmigung holen. Die Abbildung einer Marke kann gegebenenfalls den Ruf der Marke ausbeuten (Stichwort „Image-Transfer“) und für Unternehmen, die mit Bildern werben wollen, gibt es noch viele andere Fallstricke, die auch Grafiker während ihres Studiums nicht lernen.“

Frage:
„Sie bieten an, zu helfen, Bilder zu finden. Warum muss ein Bild überhaupt gefunden werden?“

AK:
„Das Internet mag ja vieles zeigen, aber die richtig tollen Sachen sind vielleicht aus dem gleichen Grund versteckt wie Sie es als Fotograf ja selbst beschreiben: damit sie nicht geklaut werden. Viele Recherchen laufen also noch übers Telefon, per Email oder über Kontakte. Um im weltweiten Netz die richtigen Bilder zu finden – mit druckbaren Größen, einer Lizenz, die der Kunde für seine Veröffentlichungen benötigt und mit dem kreativen Anspruch, der seiner Marke gerecht wird – muss man schon wissen, wo man suchen soll. Wenn jeder heutzutage veröffentlichen kann, was er will und wo er will – egal ob ein Blogger, ein Hetzer oder ein Trump – dann kann er das im Netz tun: Privatsache. Wer professionell arbeitet, hat jedoch gewisse Sorgfaltspflichten, wie auch ein Journalist sie erfüllen sollte. Der ist ausgebildet und arbeitet mit dem 4-Augen-Prinzip, um gesichert verifizierte Texte, Bilder oder Filme zu produzieren. Deshalb gehören zu unserem Team ausgebildete Bildredakteure und Dokumentare und wir arbeiten oft mit Medienanwälten zusammen. Es gibt viele Fallstricke und Stolpersteine – vor denen schützen wir unsere Kunden. Aber es geht ja noch weiter: Manche Unternehmen haben im Laufe der Zeit tausende Bilder lizensiert und noch viel mehr über eigene Fotografen produziert. Diese Bilder müssen verwaltet werden, damit auch die Mitarbeiter darauf Zugriff haben. Wer darf welches Bild wo einsetzen, dürfen sie auch in den sozialen Medien gezeigt werden? Ein Unternehmen sollte sich auch die Frage stellen, ob die eigenen Bilder im Netz geklaut und missbraucht werden.“

Frage:
„Wem können Sie helfen und in welcher Art und Weise?“
AK:
„Wir arbeiten für Kommunikationsabteilungen in Unternehmen und Konzernen und koordinieren auch die Zusammenarbeit mit deren Werbe-, PR-, Corporate Publishing- oder Web-Agenturen. Wenn es nicht nur um fünf, sondern 500 oder 50.000 Bilder geht, dann sollte ein Unternehmen wissen, wer was wie mit den Bildern machen darf. Diese Arbeitsabläufe gestalten wir mit, inklusive der Betreuung der Mediendatenbanken. Und dann werden im Alltag ganz konkret Bilder gesucht und lizensiert – für einzelne Projekte wie Reisebroschüren und Websites oder für größere Bilder-Pools, an denen sich dann die Mitarbeiter bedienen können, wenn sie müssen. Juristische Fragen werden zusammen mit Fachanwälten geklärt, das dürfen wir als Bildbeschaffer selber nicht. Aber von der Verhandlung mit Fotografen und Bildagenturen über die Recherche, Auswahl, Lizensierung bis hin zum Upload in interne Mediendatenbanken decken wir alles ab, was ein Unternehmen mit Bildern anstellen kann.“

Herr Karst von die-bildbeschaffer.de, vielen Dank für das Gespräch.

Intervie und Fotos: Karl-Heinz Hänel

Keywords: Bilder, Fotos, Bildersuche, Recherche, Urheberrecht, Bildrechte, Copyright

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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