Reiseführer, Print oder online?

Blog Foto: Thomas Hawk | Flickr | CC BY-NC 2.0

Blog Foto: Thomas Hawk | Flickr | CC BY-NC 2.0

„Vielen Reiseführern fehlt Leidenschaft“sagt Johannes Klaus
…in einem Spiegel Online-Interviev – und weiter: „…viele Texte gewinnen, wenn sie in einem Buch stehen: Sie bekommen einen ganz eigenen Reiz, man kann sie besser lesen, besser erinnern.“ mehr

Meine ganz persönliche Erfahrung mit Reiseführern

Ein gedruckter Reiseführer in der Hand  ist und bleibt die erste Wahl, die dabei aufkommende Reiselust und Vorfreude ist haptisch und visuell von einer App nicht annähernd erfüllbar.

MAIRDUMONT wurde 1948 gegründet und ist heute die MairDumont-Gruppe,  ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Ostfildern bei Stuttgart. Das gesamte Unternehmen erwirtschaftete 2017 über 100 Mio. Euro Umsatz.

Dazu gehören laut Internet: ADAC Kartografie | Baedeker | DuMont Reiseverlag | Falk | KOMPASS | Lonely Planet | MARCO POLO | STEFAN LOOSE Travel Handbücher
Sowie Unternehmen der Mediengruppe MAIRDUMONT: BGP MAIRDUMONT MEDIA LTD. :
DuMont Reiseverlag GmbH & Co. KG | Escapio GmbH | Falk Verlag GmbH
Hallwag Kümmerly + Frey AG | hubermedia | Karl Baedeker Verlag GmbH | Kompass Karten GmbH | Kunth Verlag GmbH & Co. KG
MAIRDUMONT NETLETIX GmbH & Co. KG | MAIRDUMONT VENTURES GmbH | Marco Polo s.r.o. | Marco Polo Travel Publishing Ltd.
Tourias Mobile GmbH | TripsByTips GmbH | Varta Führer GmbH | YOUPublish GmbH

Man ist überrascht, wie viele Reiseführer-Marken unter einem Dach versammelt sind, man hat es auf dem deutschen Reiseführermarkt ja fast schon mit einem Monopol und mit der Angst zu tun, dass darunter die Qualität und die Preispolitik leidet.
Dazu gehört auch der gute alte Baedeker Verlag. Karl Baedeker gilt als der Begründer des Reiseführers. Mit seinem Titel Rheinreise schuf er 1832 den ersten Reiseführer der Welt, liest man überall über Karl. Doch bereits 1830 gab es in England ein Reisebuch.

Neulich erreichte mich folgende Nachricht von der MAIRDUMONT GmbH & Co. KG:
Zitat:“Sehr geehrter Herr Hänel,
aufgrund der sehr hohen Nachfrage aus allen journalistischen Bereichen mussten wir unser Rezensionskontingent kürzen.
Somit sind wir gezwungen, einige treue Rezensenten nicht weiter zu beliefern. Zu meinem Bedauern fallen auch Sie in diesen Bereich.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Reisen…“Zitatende.

Ah ha, und wirklich schade für die unter dieser Sparmaßnahme leidenden Qualität. Denn Rezensionen dienen unter anderem der Fehlerbehebung und inhaltlichen Korrektur, möglichst vor der nächsten Auflage. Bei der Recherche für einen Reiseführer kann ja unmöglich alles auf Eigenerfahrung beruhen, sollte dann aber wenigstens sorgfältig recherchiert sein.
Das mir zuletzt zur Rezension überlassene Beadeker-Exemplar Toskana ist die 19. Auflage 2018, also brandneu. Der Willkommensgruß im vorderen Kladdentext stammt vom Chefredakteur des Baedeker Rainer Eisenschmid höchst persönlich.
Und der macht schon mal Stimmung auf die Toskana: “Wenn die Hitze des Tages (soll im Juli/August schon mal vorkommen) allmählich schwindet und die Sonne …, beginnt die Zeit der Passeggiata… Der rechte Ort dafür ist Pienza, die Citta ideale der Renaissance – Quintessenz der Toskana. Schließlich sind die selbst erlebten Geschichten die schönsten, um sie zu Hause zu erzählen.“
Na, da schaut man doch gleich mal im Stichwortverzeichnis nach und findet Pienza auf der Seite 254.
Übrigens erwähnte ein Baedeker erstmalig 1868 die Nord-Toskana.

Kann in der 18.Auflage noch was schieflaufen, offensichtlich ja?
Wer den dazu gehörigen Text im Detail verfasst hat, erschließt sich dem geneigten Leser leider nicht. Der Chefredakteur, von dem wir ja schon im Kladdentext lasen, hoffentlich nicht… Der Haupttext stammt wohl aus der Feder von Jürgen Sorges, den ich eigentlich als einen sorgfältigen Schreiber kenne. Die weiteren Autoren sind laut Baedeker Achim Bourmer, Frank Müller, Reinhard Strüber und Andrea Wurth.
Was ich dann, angeregt vom Kladdentext, zu Pienza lese, empfinde ich als sehr oberflächlich und würde gern vom Verfasser erfahren, ob er selbst jemals dort war.
Vom Knick in der Optik ist da im Text die Rede.
Da würde sich vielleicht der auf Seite 409 erwähnte Karl Baedeker im Grabe umdrehen, hätte er seiner Zeit Pienza aufgesucht, hat er aber nicht.
Der beschriebene Knick in der Optik, worauf sollte der sich beziehen? Statt auf die Piazza, doch eher auf den Corso, der gekrümmt durch die Altstadt verläuft, damit man nicht von einem zum gegenüber liegenden Stadttor schauen konnte und die Stadt so größer erschien.
Die Piazza Pio II. und die umliegenden Gebäude wurden gewollt so platziert, wie heutzutage zu sehen. Der Platz war also nicht zu klein, sondern ergab sich aus der Planung.
– weiter beschreibt der Baedeker: “So wählten sie kurzerhand ein Trapez als Grundriss. Vom Rathaus aus gesehen.“

Ein Stadtplan wäre hilfreich gewesen, Und leider ist im Kapitel „Hintergrund Kunstgeschichte“ hinten runter gefallen.

Übrigens hat Pius II. höchstpersönlich diese optische Gestaltung ersonnen und bezog Natur-Elemente wie dieses in seine Gestaltung des Domes und der Piazza mit ein, dachte im Sinne der Renaissance perspektivisch, statt wie bisher eindimensional im Sinne vom Bühnenbild.

Und auch das wie im Text des Baedeker beschriebene: „von hohen Mauern umgürtete Städtchen“ gibt es so an dieser Stelle längst nicht mehr!  In älteren Baedeckern war die frühe „Weiße“ Straße unterhalb der Stadtmauer blau colotiert, was zur Folge hatte, dass viele Leser dies für einen Fluß halten mussten, der an Pienza vorbei fließt. Schnee von Gestern. Heute hat man ja Google Maps…

Fazit: solche Schnitzer passieren eigentlich nur, wenn jemand woanders abgekupfert hat… aber in einem Baedeker?

€ 24,99 sind im Vergleich zu einem Roman viel Geld für einen Reiseführer, der ja oft mit der folgenden Neuauflage veraltet ist. Ein Bild von dem Baedeker werde ich Ihnen hier nicht zeigen. In Hamburg  ist die dafür einschlägig bekannte Rechtsanwaltskanzlei  MBBS offensichtlich von morgens bis abends damit beschäftigt, online  unerlaubt genutzte Abbildungen der Verlagsgruppe ausfindig zu machen und unerbittlich abzumahnen. So ein Spaß hat mich schon einmal € 600,00 gekostet. Ein schönes Zusatzgeschäft für Anwälte und die Verlagsgruppe.

Schauen wir uns lieber nach einer Alternative um.

Hierzu im Vergleich der  MM Toscana aus dem Michael Müller Verlag. Das zweite Werk aus dem Verlag erschien 1981 unter Toskana (mit k). Und der Verleger ist auch höchst persönlich dort gewesen.

Aktuell gibt es den „Toscana“

den „Südtoscana“

und den MM-Wandern „Toscana Wanderführer

Der „Toscana“ wird so umworben: „Ge­gen­über der ers­ten Auf­la­ge von 1981 hat sich das Hand­buch be­trächt­lich ver­än­dert. Der stark er­wei­ter­te Text­teil, viele Fotos, Il­lus­tra­tio­nen und de­tail­lier­te Kar­ten ma­chen den Rei­se­füh­rer von Micha­el Mül­ler zu einem zu­ver­läs­si­gen Be­glei­ter für To­sca­na-Neu­ent­de­cker eben­so wie für Ken­ner der Re­gi­on.“

Der „Südtoscana“ so:

Auf die Frage „Wie sehen Sie die Zukunft des gedruckten Reiseführers?“ von Susanna Müller von der Neuen Zürcher Zeitung  antwortete Michael Müller wie folgt:“ Ich bin zuversichtlich. Offenbar haben sechshundert Jahre gedrucktes Buch beim Menschen Spuren hinterlassen. Ich selbst informiere mich gerne im Internet, am Abend jedoch lese ich immer noch die gedruckte Zeitung. Gerade bei einem Reiseführer ist der emotionale Aspekt nicht zu unterschätzen. Nach der Reise steht das Buch zu Hause im Regal. Es erinnert mich an viele positive Erlebnisse. Manchmal blättere ich darin und staune: Mensch, wo war ich denn da? Dieses Nacherleben einer Reise funktioniert mit einem gedruckten Buch natürlich sehr viel besser als mit einer App.“

Der MM-Wandern Toscana Wanderführer könnte präziser beschrieben sein, was für orientierungsbedürftige Wanderer keine unerhebliche Rolle spielt.

Als zu verbesserungswürdiges Beispiel wählte ich die – Tour 26 -:

Unpräzise: Auf der  Frankenstraße durch das Orcia-Tal.
Genauer: Abseits  der Frankenstraße durch das Orcia-Tal, die Val d’Orcia.

Übertrieben: … mit weitem Blick bis zur südlichen Grenze der Toscana.
Besser: … mit weitem Blick bis zur südlichen Grenze der Val d‘Orcia.

Vage: Ansonsten kehrt man mit dem Bus zurück.
Konkret: Ansonsten fährt man mit dem Bus ab Pienza zurück.

Sinnlos: ein Foto „Schafe mit modernem Schäfer“
Hilfreich: Foto der „Cappella di Vitaleta“ zur Orientierung auf diesem Wanderweg.

Fazit: Es gibt für die unterschiedlichsten Interessen einen geeigneten Guide.

© Copyright by Karl-Heinz Hänel

© Copyright by Karl-Heinz Hänel

Foto: Wer einen Vin Santo mag, bekommt dazu einen Aprikosenkuchen mit Wallnüssen.

Tipp: Sette di Vino, Piazza di Spagna No.1, 53026 Pienza, ab 12:00 h oder ab 19:30 h. Reservierung Tel. 0578 74 9092 weiter

Wander-Tipp: Der Herbst ist eine der schönsten Zeiten für Wanderungen, auch rund um die Val d’Orcia und den vor Pienza liegenden Monte Amiata, auf 35 Tou­ren führt die of­fi­zi­el­le To­sca­na-Füh­re­rin Brit­ta Ull­rich Sie und Ihre ganze Fa­mi­lie mit­ten hin­ein in die pracht­volls­te Re­gi­on Ita­li­ens: Neu aufgelegt: Toscana MM-Wandern

Die Toskana für’s Auge kommt zu Ihnen nach Hause:

Toskanabilder anschauen

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
Dieser Beitrag wurde unter --.-- Italiens Toskana, x Bücher Tipps, x Info für Reisende abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.