Die ganze Geschichte ist krimibestsellerverdächtig…

die Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Tatort Nebra, Tatzeit 4.Juli 1999.
Wie die „Himmelsscheibe“ die Archäologie revolutionierte

Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Eine einsame Waldlichtung im Oberrodaer Forst am Mittelberg bei Nebra

(Sachsen-Anhalt). Zwei Männer suchen mit einer Metalldetektorsonde nach antiken Bodenschätzen, Sie werden fündig und graben eine vergammelte Bronzescheibe mit Goldauflage aus, dazu zwei Schwerter, zwei Beile, Armreifen und einen Meißel.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Der Fund entpuppt sich wenig später als archäologische Sensation. Über Nacht gerät die Kleinstadt Nebra im Burgenlandkreis bei Freyburg (Unstrut) in den Fokus der Weltöffentlichkeit, berichten Fernsehen und Presse über das Geschehen in der Waldabgeschiedenheit der sächsischen Provinz. Nach gründlichen Untersuchungen stufen die Wissenschaftler die „Himmelsscheibe“ als weltweit erste kosmische Darstellung von Sonne, Mond und Sternen ein, die in grauer Vorzeit zur Bestimmung von Aussaat und Ernte genutzt wurde.

Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Die Endpunkte der beiden Horizontbögen sind auf Winter- und Sonnenwende ausgerichtet. Auch die Deutsche Post würdigt das Ereignis, gratuliert mit einer Serie von Sondermarken. Über 3600 Jahre lag das einzigartige Kleinod verborgen im Erdreich, bis es die Raubgräber eher zufällig entdeckten. Schon tags darauf bot ihnen ein Kölner Händler 31.000 DM an.

Mit der Zahl der Hehler steigerte sich das Ankaufsgebot bis 700.000 DM. Doch bei der vereinbarten Übergabe am 23. Februar 2002 im Hilton Hotel in Basel platzte der Traum vom großen Geld. Der als Interessent getarnte Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt. hatte die Polizei dabei. Raubgräber und Hehler wurden festgenommen und zu Haft auf Bewährung verurteilt. Die „Himmelsscheibe° urde dem rechtmäßigen Besitzer zugesprochen. In Sachsen gilt das „Schatzregal“. Es bestimmt: Bodenfunde gehören dem Land.

Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Kopie der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Das Original, 2,5 Kilo schwer (Foto: in die Hand zu nehmen) und mit einem Durchmesser von 25 cm, ruht wohlverschlossen in der Obhut des Landesmuseums Halle (Saale). Der Versicherungswert der Scheibe ist Chefsache. Nur so viel verrät Meller: höher als mancher Picasso. Und weiter: „Sie zeigt in gnadenloser Nüchternheit den Sternenhimmel- Etwas, das sich die Menschen der Antike nicht trauten, so zu zeigen. Da brauchte es erst Galilei, bis man zu diesem Verhältnis zum Himmel kam.“

Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Seit 2007 wird die Geschichte des Prunkstücks in der „Arche Nebra“ erzählt. Die Züricher Architekten Holzer Kobler haben das 60 Meter lange, goldglänzende futuristische Gebäude auf drei Stelzen mitten in den Naturpark Saale-Unstrut gestellt. Seine leicht gebogene Form symbolisiert die nächtliche Fahrt der Sonne auf der Sonnenbarke von West nach Ost, eine Anspielung auf die komplexen Bildelemente der Scheibe.

Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

300 Quadratmeter Ausstellungsfläche leiten die Besucher durch das Spannungsfeld von Archäologie und Astronomie. Wie in einem Raumschiff leiten Modelle, Spiele und Mitmachaktionen ins Herz der Arche. Dort, im Planetarium, entschlüsselt eine faszinierende Multimediashow das komplexe Wissen, das auf der Scheibe gespeichert ist. Kinder locken besondere Angebote.

in der Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

in der Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sie können selbstgegossene Modelle aus Zinn oder Schokolade als Andenken mit nach Hause nehmen. Der Souvenirshop im Foyer ist gut sortiert. Ob Bücher, Bilder oder Schmuck, die Sonnenscheibe veredelt alles.

Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Die teuerste Replik kostet knapp einen Tausender. Bis zu zehn Exemplare finden pro anno einen neuen Besitzer zur Zierde des heimischen Kamins.

in der Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Weingläser aus der Römerzeit, in der Arche Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Wechselnde Sonderausstellungen zur Sommersaison erweitern das Programm.

Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Lage von Nebra in Römerzeiten © Copyright Karl-Heinz Hänel

Unter dem Titel „Roms Legionen“ marschieren Tausende bis ins kleinste Detail geformte Miniaturfiguren in Dioramen auf, sichern ihre Feldlager und Bastionen oder rüsten sich zum Kampf gegen die Germanen in der legendären Varus-Schlacht im Teutoburger Wald. Wer bei den Legionären anheuern will, kann direkt vor Ort im Museum das Marschgepäck schultern und seine tägliche Getreideration frisch mit einer römischen Mühle mahlen ( die aktuelle Ausstellung ist noch bis 4. November 2018 zu sehen).

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Drei Kilometer von der Arche entfernt liegt der Fundort der Scheibe in einer Waldlichtung mit Wallanlagen aus der Eisenzeit, nur zu Fuß oder zu bestimmten Zeiten mit dem Autobus zu erreichen.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Dort haben schon zahllose Schatzsucher ihre Spuren hinterlassen, wurden auch jüngst noch weitere Funde gemacht, dokumentiert und für die Besucher visualisiert.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Von einer kreisrunden Sichtschutzplatte und einem Zaun geschützt, korrespondiert das „Himmelsauge“ mit dem stetigen Wolkenzug am Firmament.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Aus 30 Metern Höhe, von der Plattform des nahen Ausichsturms, wirkt es wie ein kleiner Farbtupfer im grauen Grabungsfeld.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Auch der Turm trägt die Handschrift der Arche-Architekten.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Wegen seiner leicht nach vorn geneigten Konstruktion wird der markante Bau im Volksmund der schiefe Turm von Nebra genannt.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Bis zum Brocken im Harz, wo die Sonne am letzten Tag des Jahres untergeht und bis zum Kyffhäuser reicht bei klarem Wetter die Sicht von oben, bedeutende Stationen für die Messung mit der Sonnenscheibe zur Bronzezeit.

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Fundort der Himmelsscheibe von Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Der Turm dient auch als Sonnenuhr.

Gut 60.000 Besucher jährlich tauchen in die Mythenwelt der Gestirne ein.

Davon profitiert auch Nebra mit seinen 2.700 Einwohnern.

Seit Jahren verzeichnet die Gemeinde für Nebra einen stetig leicht wachsenden Fremdenverkehr. Schlossrestaurant mit romanischer Burgruine, Kirche, Markthalle, Imbiss, Apotheke und Lottoladen prägen den Alltag im Ortszentrum. Eine große Plakatwand wirbt für die vier Kilometer entfernte Attraktion. Es gibt Ansichtskarten und Anhänger.

Die Bäckerei mit Café am Platz, bietet täglich frisch gebackene süße Himmelsscheiben ab 1.50 Euro aufwärts an.

Konditorei Neuman in Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Renate Jäckel führt süßes vor, Konditorei Neuman in Nebra © Copyright Karl-Heinz Hänel

Die gehen gut über die Ladentheke, versichert die Bäckersfrau.

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Heimat-Museum und Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Für die Besichtigung des schmucken Heimathauses bleibt den Tagesgästen auf dem Rückweg allerdings meist nur wenig Zeit.

© Copyright Karl-Heinz Hänel

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Schade, denn hinter den schmucken Mauern befindet sich neben dem gut bestückten Museum ein literarisches Juwel.

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Das „Hedwig-Courths-Mahler-Archiv“ würdigt Leben und Werk von Deutschlands erfolgreichster Schriftstellerin.

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

In Nerbra geboren, am bayrischen Ammersee gestorben, erwarb sie mit seichten
Liebesromanen ein Vermögen.

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Hedwig-Courths-Mahler-Archiv © Copyright Karl-Heinz Hänel

Doch das ist Stoff für eine weitere Geschichte…

Text © Copyright: Karl-Hugo Dierichs Fotos © Copyright: Karl-Heinz Hänel

Sonst noch auf der Straße der Romanik und der Weinstraße Saale-Unstrut

Mit freundlicher Unterstützung von www.saale-unstrut-tourismus.de

Über Karl-Heinz Hänel

Karl-Heinz Hänel ist freier Reise- u. Bild-Journalist, betreibt Storytelling online und zeichnet redaktionell verantwortlich Nach mehrjähriger Mitarbeit für die TV-Sender ARD und ZDF, sowie für internationale Bildagenturen, wechselte der studierte Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschaftsfotograf 1995 in den Reisejournalismus, nachdem ihn zunächst nach einer Standortsuche das Thema Toskana nicht mehr los lies. 2004 veröffentlichte GEO-Saison für Geniesser Toskana eine Reportage über seine Spurensuche in der Val d'Orcia. 2006 entwickelte Karl-Heinz Hänel das Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer http://www.Paradies-Italien.de , 2008 das Portal http://www.Liebhaberreisen.de und 2013 folgte der Blog http://Blog.Liebhaberreisen.de
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