Bild: „Heimat ist ein Rausch ohne Kater…“

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Alexander v. Schönburg besuchte einige Deutschlands Getränke-Dynastien

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In der BILD „Heimat für alle“ am 7. Juni durfte eine Seite für Getränke nicht fehlen…

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Alle Fotos der Bild-Reportage sehen Sie auf der Website des Fotografen Markus Tedeskino

Ob Küstennebel, Eierlikör, Bier oder Sekt, getrunken wird alles, gern aus Deutschland.

Rotkäppchen Daniela Odenthal Saale-Unstrut © Copyright Karl-Heinz Hänel

Rotkäppchen Daniela Odenthal bietet einen Rosé an  © Copyright Karl-Heinz Hänel

Als Sektkeller mit langer Tradition und der Hälfte des in Deutschland hergestellten Sektes schaffte es Rotkäppchen auf die Bild-Seite, stellvertretend für alle Sektmacher.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Und Lob aus allerhöchstem Munde für den deutschen Sekt gab es schon zur Kaiserzeit.

Seine Majestät war begeistert. „Die Sekte von Kloss & Foerster sind sehr bekömmlich.
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich es gewesen bin, der sie in vielen Offizierskasinos eingeführt hat“ schrieb Wilhelm II. beim Besuch der Rotkäppchen-Kellerei ins Gästebuch. Das Kaisermanöver 1903 hatte ihn aus Berlin nach Freyburg an der Unstrut verschlagen. Auf Anordnung von oben geriet die Edelbrause aus der sächsischen Provinz zum Pflichttrunk der Offiziere, vor allem bei der Marine. Das Lob aus allerhöchstem Munde kurbelte auch den privaten Absatz des prickelnden Getränks an.

Das erfreute den Fiskus. 1906, im Zeichen der Hochrüstung mit England, führte er die Sektsteuer ein, um die kaiserliche Flotte zu finanzieren.
Vorbei. Die Kriegsschiffe verrotten seit 1919 nach der Selbstversenkung in den Gründen von Scapa Flow. Auch das Kaiserreich ist Geschichte. Nur die Steuer hat mit einer kurzen Pause von 1933 bis 1939 bis heute überlebt. Sie peppt den Bundeshaushalt jährlich mit rund einer halben Milliarde Euro auf.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Vater Staat kassiert pro Flasche 1,02 Euro, egal, was der Einkauf im Handel kostet. Rotkäppchen mit den Marken Mumm, Jules Mumm, MM-Extra, Geldermann und Kloss & Förster war 2017 mit 163 Millionen Flaschen dabei.

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Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Mit 55 Prozent beherrscht das Unternehmen den deutschen Markt.
Die historische Kellerei mit ihrem markanten Turm im neoklassizistischen Baustil der 1880ger dominiert das Gebäudeensemble von Freyburg, auch Weinhauptstadt der Anbauregion Saale-Unstrut.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

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Über fünf Stockwerke windet sich täglich rund ums Jahr die Besucher-Kellertour.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

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Vom Glas überdachten Lichthof, einst Warenlager und Auslieferung, heute kulturelles Zentrum des Burgenlandkreises, geht es in die leicht modrig riechende Tiefe.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

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Vieles im Halbdunkel der Gänge, Keller und Hallen hat nur noch Museumswert, wie das 5,60 Meter hohe Riesenfass im kuppelgekrönten Domfelsenkeller.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Einmal jährlich wurde es einst zur Cuvée-Herstellung großer Mengen Sekt mit gleichem Geschmack befüllt.

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Die Kellermeister überwachten von der Galerie den mechanischen Mischvorgang.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Der Gigant wurde 1896 aus 25 Eichen von einem Freyburger Küfer gebaut, mit reichen Schnitzereien verziert und 1935 letztmals gefüllt. Sein Inhalt von 120.000 Litern reichte für 160.000 Flaschen.

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Auch große Holzfässer haben ausgedient. Sie wurden von 40.000 L. Stahltanks abgelöst.

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Kirstin in einem Fass der Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Für die Besucher ist ein Spaß, mal in ein Fass hinein zu kriechen, wie früher zur Reinigung

Moderne Verfahren rationalisierten längst die Massenproduktion.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

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Für die hochpreisigen Flaschengärungen werden nach wie vor hölzerne Rüttelpulte eingesetzt. Mindestens neun Monate reift der Sekt in den Flaschen. Dann werden sie täglich per Hand einen Viertelkreis gedreht, bis sich die Hefe im Flaschenhals gesammelt hat, umgefüllt und verkorkt. Bis zu 60.000 Umdrehungen schafft eine Rüttlermannschaft pro Schicht.

Frisch an der Quelle wird verkostet. Das übliche Öffnen mit dem Pflopp kennt jeder. Daniela Odenthal aus dem Marketing-Ressort wählt die elegantere Offiziers-Variante.

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Rotkäppchen Daniela Odenthal © Copyright Karl-Heinz Hänel

Mit einem Säbel durchtrennt sie mit geübtem Schwung den Flaschenhals,

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und schon perlt es elegant im Glas. Prost!

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Wieder am Tageslicht, wartet die Abfüllanlage. Vierspurig winden sich die gläsernen Gebinde durch diverse Stationen, um am Ende mit der roten Folie gekrönt und verpackt zu werden.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Das Maschinentempo ist enorm: 26.000 Flaschen passieren stündlich das Förderband.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. In der Inflation steigen die Preise ins Astronomische, kostet die Flasche 1.928,000 Mark, bricht der Umsatz um mehr als 50 Prozent auf 4,5 Millionen Flaschen ein. Mit der stabilisierten Währung keimt neue Hoffnung auf. 1932 findet Rotkäppchen mit Audi einen idealen Werbepartner. Beim Kauf eines Autos gibt’s eine Flasche Schampus gratis dazu. Die Steuerpause ab 1933 bringt den Markt erneut in Schwung. Mit Kriegsausbruch 1939 geht es wieder talwärts. Mehr noch als die wieder erweckte Pflichtabgabe wirkt sich der Mangel an Rohstoffen und Transportmitteln aus. Selbst die Pferde sind eingezogen. Ein Teil der Fabrikgebäude wird Rüstungsschmiede. Krupp übernimmt das Kommando.

1946 ordnen die Sowjets die Zwangsverwaltung an, 1948 wird Rotkäppchen Sekt Volkseigener Betrieb. Der enteignete, persönlich haftende Gesellschafter Günther Kloss gründet in Rüdesheim Kloss & Foerster neu. Freyburg wird mehrfach erweitert und 25-mal ununterbrochen für „ausgezeichnete Qualitätsarbeit“ geehrt. Ende der 80ger können DDR-Bürger unter 38 Sektsorten vieler Geschmacksrichtungen wählen. Rotkäppchen Grand Mousseux für 22 Ostmark ist der absolute Renner.

Mit der Wende im Herbst 1989 ändert sich das ostdeutsche Verbraucherverhalten. Westwaren sind angesagt. Dem Unternehmen droht das Aus. Personalabbau und eine Neuausrichtung verhindern den Kollaps. Die Privatisierung 1993 leitet eine zukunftsorientierte, erfolgreiche Ära ein. Mit Beteiligung der Familie Eckes-Chantré gelingt es, Sektkellerei und Marke zu erhalten. Es wird kräftig investiert und beworben.

Sektkellerei Rotkäppchen © Copyright Karl-Heinz Hänel

Rotkäppchen Daniela Odenthal © Copyright Karl-Heinz Hänel

Ab 2007 strebt Rotkäppchen zu neuen Ufern, steigt mit der Übernahme von Eckes Spirituosen &Wein (Chantré, Mariacron) und der Harzer Traditionsbrennerei „Echter Nordhäuser“ in die hochprozentige Getränkeliga ein. Das Rotkäppchen Qualitätswein-Sortiment und Blanchet komplettieren das Angebot. Zur Website von Rotkäppchen

Die Trauben wachsen in Deutschland, Frankreich und Italien. Eigene Weinberge besitzt Rotkäppchen nicht. Es ist zugleich die einzige Ostmarke, die bundesweit erfolgreich und eigenständig geblieben ist. Maria, in rückentief ausgeschnittener roter Abendrobe, sorgt als verführerische Werbe-Ikone, dass es nie wieder zu einer Durststrecke kommen mag.
Beim Freyburger Winzerfest (7.-10. September) werden die Korken besonders laut knallen: Die Weinstraße Saale-Unstrut wird 25 Jahre alt. Sie führt 60 Kilometer von Bad-Sulza (Saale) bis Memleben (Unstrut). Rund 60 Winzer bewirtschaften 800 Hektar Fläche auf Deutschlands nördlichstem kleinsten aber feinsten Qualitätsanbaugebiet.

Text © Copyright: Karl-Hugo Dierichs Fotos © Copyright: Karl-Heinz Hänel

Sonst noch auf der Straße der Romanik und der Weinstraße Saale-Unstrut

Mit freundlicher Unterstützung von www.saale-unstrut-tourismus.de

Über Karl-Heinz Hänel

Karl-Heinz Hänel ist freier Reise- u. Bild-Journalist, betreibt Storytelling online und zeichnet redaktionell verantwortlich Nach mehrjähriger Mitarbeit für die TV-Sender ARD und ZDF, sowie für internationale Bildagenturen, wechselte der studierte Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschaftsfotograf 1995 in den Reisejournalismus, nachdem ihn zunächst nach einer Standortsuche das Thema Toskana nicht mehr los lies. 2004 veröffentlichte GEO-Saison für Geniesser Toskana eine Reportage über seine Spurensuche in der Val d'Orcia. 2006 entwickelte Karl-Heinz Hänel das Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer http://www.Paradies-Italien.de , 2008 das Portal http://www.Liebhaberreisen.de und 2013 folgte der Blog http://Blog.Liebhaberreisen.de
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