Frühling: erste Kirschen kommen aus Céret, Süd Frankreich

Wenn in Deutschland gerade Frühling ist, gibt es erste Kirschen aus Céret.

Ceret, Süd Frankreich

Ceret © Copyright by PANORAMO Karl-Heinz Haenel

Das Languedoc – Roussillon ist eine der sonnigsten Regionen Frankreichs im Südwesten an Spanien grenzend. Begünstigt vom Mittelmeerklima profitiert das kleine Städtchen Céret im Languedoc – Roussillon vom milden, von den kalten Winden abgeschirmten Mikroklima, das bereits im Mai die ersten Kirschen Frankreichs reifen lässt.

Ceret, ein ruhiger Ort ganz im Süden Frankreichs wurde zum Zentrum des Kubismus

Der Ortsname Ceret stammt von der griechischen Göttin des Ackerbaus Cérets. Tatsächlich ist die Umgebung aufgrund eines sehr milden Klimas für ihre prächtigen frühreifen Kirschen berühmt und Ceret wird landesläufig als die Hauptstadt der Kirschen betitelt. Von hier kommen Anfang Mai auch die aller frühesten Kirschen Frankreichs und den ersten Korb bekommt noch immer traditionell der französische Staatspräsident per Kurier frisch auf den Tisch. Leider betreiben immer weniger Landwirte den Kirschanbau als Haupterwerb und pflanzen stattdessen wegen der höheren Rendite neue Weinreben und Pfirsichbäume in ganzen Plantagen an. Seit Jahren ehrt man hier, am Rande der letzten hügeligen Ausläufer der noch mit Schnee bedeckten Pyrenäen die beliebte Baumfrucht mit einem bunten ausgelassenen Volksfest. Bauern und Kunsthandwerker der Region bieten bei der Fête de la Cerise am letzten Wochenende im Mai ihre Produkte an. Von der süßen Frucht naschen kann man nicht nur beim Schlendern über den großen Markt, sondern auch beim Einkehren in die Restaurants, die spezielle Kirsch-Menüs auftischen.

Fährt man 25 km von Perpignan über die A9 nach Süden bis Le Boulou, nimmt dann die D115 nach Ceret in die Ausläufer des Pic du Canigou der Pyrénées-Orientales, erreicht man die schöne Kleinstadt über den Fluss Tech, mit Blick nach links sieht man auf die Teufelsbrücke, die im 14. Jh. mit ihrer Bogenspannweite von über 45 m die größte Brücke der Welt war. Neben Le Pont du Diable bietet der Ort noch zwei alte Stadttore als historische Sehenswürdigkeiten. Von Juli bis August ist die Altstadt von Festen um den traditionellen Nationaltanz der Katalanen geprägt und verleitet bis in die Nacht zur Teilnahme an den Reigentänzen. Im Jahr 1909 suchten hier drei Künstler, der Maler Frank Burtscheid Haviland, der katalanische Bildhauer Manolo Hugué sowie der Komponist Déodat de Séverac, Unterschlupf vor dem Tramontana, dem heftigen Westwind von den Bergen. Sie vertrieben sich die Zeit u.a. mit Briefeschreiben und lösten mit ihrem Schwärmen über das fantastische Licht eine Reisewelle weiterer Künstler aus. Nach 1916 entstand Dank des Malers Pierre Brune, eine Sammlung, nachdem er in der Gegend wirkende Künstler zu einer Werkspende aufrief. Seit 1993 für heutige Touristen in einem Zweck-Neubau neben diverser Ateliergeschäfte offen zugänglich.

Das abwechslungsreiche Gebiet der Languedoc – Roussillon entlang des Golfe du Lion, erstreckt sich von der spanischen Grenze bis nach Arles und Avignon der angrenzenden Provence, wird vom Canal du Midi und dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella durchkreuzt. Schnell erreichbar, z.B. mit dem Flugzeug von Frankfurt in gut einer Stunde, mit dem TGV von Paris aus in drei Stunden, oder über Nacht mit dem nach Narbonne fahrenden Autozug. Ob mit dem Boot auf dem Canal, wandernd oder mit dem Reisemobil unterwegs, immer und überall locken die Sehenswürdigkeiten, gute Weine und kulinarische Angebote der Region zum Verweilen.
Der französische Midi weckt Lust auf heiße Badetage und laue Nächte, auf nostalgische Straßencafés oder ruhige Landgasthöfe. Zwischen der Camargue und den Pyrenäen finden Sonnenhungrige 180 km Sandstrand, während im hügeligen Hinterland Wanderer, Biker und Radfahrer ihre Freude haben. Kulturelle Streifzüge führen nach Montpellier oder in das antike Nîmes, zum Pont du Gard, romanischen Klöstern oder Katharern. Fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte, deftige Eintöpfe und Wildgerichte, Dessert- sowie Käsespezialitäten und die feinen Tropfen aus Frankreichs größtem Weinberg lassen das Herz vieler Gourmets höher schlagen.

Sete – das kleine Venedig des Languedoc lädt ein zu frischen Meeresfrüchten und Austern

Der Charme von Sete liegt in seiner idyllischen Insellage um einen Hügel zwischen Mittelmeer und Lagunensee Etang de Thau. Ein Kanalsystem durchzieht die Stadt und verbindet Meer und See. Der Fischereihafen liegt auf der offenen Mittelmeerseite: Thunfische, Sardinen, Doraden, Tintenfische, Austern und Muscheln werden hier angelandet, in der sehenswerten Auktionshalle versteigert, und überall in den Hafengassen finden sich Bistros und Restaurants, die fangfrische Austern anbieten. 1860 kam eine große Einwanderungswelle aus Cetare, dem italienischen Fischerdorf bei Neapel nach Sete. Jeder 3. hier Einwohner stammt aus Italien, besonders im Quartier Haut oberhalb des Fischmarktes ist das italienische Lebensgefühl auf der Straße zu spüren. Direkt am Quai de la Résistance 11, vor der Kulisse vertäuter Fischerboote, backen Ginette und Alain im Paradiso ihre frischen Tielles, lecker und heiß aus dem Ofen auf den Kai verkaufte Törtchen mit Tintenfisch-Füllung und Muscheln, Gewürzen und Tomaten. Das Rezept: produit d’origine Italienne a base de poulpes et de sauce tomate hatte hier im Jahr 1937 seine Geburtsstunde, Dank Adrienne Verducci (1896-1962) notre grandmere, der Großmutter, die als erste das Rezept vermarktete. Elle fut la premiere a commercialiser la tielle des 1937. Seitdem wird der stadtbekannte Familienbetrieb von Alain Cianni weitergeführt. Un mets familial qui devint au fil des ans, l’ne des spezialites setoises.

Tradition hat hier die katalanische Küche – eine Meeres- und Gebirgsküche

Die katalanische Küche unterscheidet sich erheblich von den anderen rund um das Mittelmeer, zunächst durch die extreme Vielfalt der Produkte, die aufgrund des Klimas und der landschaftlichen Vielseitigkeit ausnahmslos vor Ort gedeihen. Zum anderen findet sie ihre Identität in einer komplexen Zusammenstellung von ungewöhnlichen Geschmacksnoten: Mandeln und Knoblauch, Olivenöl, getoastetes Brot, Aperitifwein und Bitterschokolade. Phönizier, Griechen, Römer, Spanier landeten an der katalanischen Küste und brachten neue Kräuter und Gewürze. Die so entstandenen Spezialitäten sind schmackhaft, subtil und farbenfroh zugleich.

Aber auch die Weine der Region sind eine Spezialität für sich

Angeblich ist das Languedoc die aufregendste Weinregion Frankreichs und wird als Spielwiese der Winzerinnen umschrieben. Eine spannende Winzerin aus Leidenschaft ist die hauptberufliche Architektin Catherine Roque, denn sie verliebte sich in die Weinberge von Bedarieux und wurde Weinmacherin. Streng biodynamisch erzeugt sie nun nahe Faugeres ihre herausragenden Weine. Die wenigen Fässer lagern in einem kleinen angemieteten Keller. Die regional einkaufenden Touristen werden hier eine Erlebnis-Weinprobe verabreden können und probieren beispielsweise einen AC Rotwein Mas d’Alezon, ganz untypisch für das heiße Languedoc. Eine Besonderheit des Pyrenäenvorlandes sind die Vins doux, die einen Alkoholgehalt von 15- 18° und einen hohen Zuckeranteil aufweisen. Diese Weine sind Lohn harter Handarbeit. Aber Nicolas Fabrie kennt sich seit seiner Militärzeit gut mit Pferden aus. Der mit 43 Jahren in den Frühruhestand versetzte Offizier suchte nach neuen Herausforderungen. Heute pflügt er für 6 Winzerinnen und Winzer der Region die harten Böden zwischen den Weinreben. Diese noch ganz ursprüngliche Art der Bodenbewirtschaftung verdichtet den Boden nicht so stark, wie Maschinen, lockert ihn schonend auf und gibt den Wurzeln der Rebstöcke so die nötige Freiheit, zu atmen.

Kennern eines guten Muscat ist Domaine de Barroubio ein Begriff. Die Familie von Raymond Miquel war einst im Besitz sehr großer Weinberge in der Region St. Jean de Minervois. Dann machten Reblaus und die Auswirkungen der Rezession große Teile der Rebstöcke zunichte. Übrig blieben 17 Hektar und ein Bauernhof, auf dem die Familie jetzt in bescheidenem Umfang mit der Herstellung wohl einer der spannendsten Auswahlen an Weinen aus der Rebsorte Muscat beschäftigt ist. Und so produziert Raymond Miquel nicht weniger als sechs Cuvées aus seinen zehn Hektar Muscat, die von der Art trockener Tafelweine ist, wie sie nur mit sehr späten Ernten erreicht werden kann.

Ein weiteres visuelles Highlight – Frankreichs südlichstes Hafenstädtchen Collioure

Dem ursprünglichen Fischerdorf brachte die Königsburg den Aufschwung. Der Turm der alten Wehrkirche diente auch als Leuchtturm. Neben dem sehr malerischen Hafen lädt ein langgezogener Badestrand mit Blick auf bunte Häuserfassaden ein, die sich terrassenartig den Berghang empor aufreihen. Im berühmten Hotel des Templiers verkehrten Picasso, Matisse, Dali und viele andere Künstler, die wegen der kräftigen Farben hier her kamen, gern, denn sie brauchten nur mit ihren Bildern die Zeche und Übernachtungen zahlen. Die wertvollsten der Originale sind den Gästen von heute leider nicht mehr zugänglich, trugen aber erheblich zum Tourismus der Stadt bei.
Seit Jahrhunderten gehört zu den Traditionen des Ortes ein sehr begehrter Schatz aus dem Meer. Anchovis – nur die echten sind Filets von Sardellen – ein kleiner Fisch, in Salz eingelegt und fermentiert, reift bis zu 2 Jahren, ist Grundlage vieler typischer katalanischer Gerichte ist, wird seit jeher nach ursprünglicher und traditioneller Methode bereitet. Dafür bekam Collioure 1994 vom französischen Ministerium der Kultur und Landwirtschaft eine Auszeichnung für den Erhalt der besonders kulinarischen Tradition. Ob pur, in Essig, Salz oder Öl eingelegt, die frische Verarbeitung kann in einigen Kleinstbetrieben im Ort sogar besichtigt werden. mehr zu Frankreich lesen

Weiterführende Informationen
Ceret, Stadt der Kirschen

Kubismus

Collioure, Stadt der Anchovis

rendezvousenfrance.com

 

 

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Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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