#Kulinarik – Schlemmen in den Blumendörfern des Elsass

Foto: © Copyright Karl-Heinz Hänel

Das Nord-Elsass ist nur einen Katzensprung von Baden Baden,

Karlsruhe oder Frankfurt am Main entfernt und bietet sich für einen Kurzurlaub an.

Das Elsass ist seit 1973 die jüngste und kleinste Region Frankreichs, erst recht das südlich an Rheinland-Pfalz angrenzende Nordelsass zwischen den nördlichen Vogesen und dem Rheintal ist ein noch wenig bekanntes Gebiet.

Kleine Orte und Dörfer lassen Blumen sprechen

Neben Fachwerkdörfern und Burgen gibt es große Wälder zu entdecken. Die wirtschaftliche Stärke der Region, angefangen mit Frankreichs einziger Fabrik für Meerrettich in Mietsheim, über die Töpfereien in Betschdorf und Soufflenheim, bis hin zum Werkzeugbau, der Bierbrauerei- und Hopfenverarbeitung und nicht zuletzt durch den Tourismus, sieht man erst auf den zweiten Blick. Der mittelalterliche Ort Wissembourg und das zentral gelegene Haguenau sind ideale touristische Ausgangspunkte, um die Region Nord-Elsass zu entdecken.

Und die ist geradezu beliebt wegen der deutschsprachigen Gastfreundschaft, der traditionellen Küche, der großen Wälder und den kleinen schwarzweißen Fachwerkdörfern, die sich ab dem Frühjahr in bunte Blumendörfer verwandeln, wie etwa Hunspach, eines der schönsten Dörfer von ganz Frankreich überhaupt. Über eine eindrucksvolle Landschaft ragen Burgruinen und Schlösser, wie die Burg Fleckenstein oder das Château du Lichtenberg. Insgesamt finden sich in der Region nördlich von Haguenau über 30 Burgreste und Schlösser. Die Kultur des Nordelsass spiegelt sich aber auch in der Töpferkunst der Dörfer Betschdorf und Soufflenheim wider.

Landschaften mit geschichtsträchtigem Boden

Die vergangenen Kriege haben historische und monumentale Ruinen und Gedenkstätten in schönster Landschaft hinterlassen. Von der Maginot-Linie hat man vielleicht schon mal im Geschichtsunterricht gehört – eine täglich zu besichtigende unterirdische Festungsanlage aus dem 2.Weltkrieg ist der Kalkofen von Lembach. Doch wird man über Land durch Mahnmale zwischen Obstbäumen und Hügeln an noch viel frühere Ereignisse erinnert.

Einer der schlimmsten Kriegstage im Nord-Elsass war der Tag des 6.August 1870, an dem in einer tragischen Schlacht im Tal der Sauer bei Froschweiler über 20.000 Franzosen und Deutsche ihr Leben ließen. Die Tragik jener Generationen im Elsass, die wegen viermaligem Wechsel der Nationalität aufgrund der kriegerischen Ereignisse mal deutsch, mal französisch registriert wurden und jeweils gegen die andere Seite in den Kampf ziehen mussten, hat dazu beigetragen, dass bis heute hier die Bevölkerung immer noch auch der deutschen Sprache mächtig ist.

Die umliegenden blauen Häuser « LES MAISONS BLEUES », laden ein zu einem kleinen, anregenden Spaziergang vor oder nach dem Essen. Auch Besucher des Restaurants Le Cygne schätzen das nur 300 m entfernte kleine Hotel, die an einem Bach gelegene ehemalige Getreidemühle inmitten verwunschener Natur, die Annie und François Paul sich einst mal als Wohnhaus geschmackvoll herrichteten und nun ihren Gästen und anderen Genießern schönen Ambientes für unvergessliche Abende, Übernachtungen und das morgendliche Frühstück überlassen. Zwölf individuelle Zimmer könnten die Wahl jedoch zur Qual machen, so schöne Betten, schöne Bäder, schöne Blicke aus dem Fenster auf den Bach zwischen Bäumen – man möchte wieder kommen.

Und auch das Abendessen kann jetzt noch ein Viertelstündchen warten. Zuvor spaziert man eine Runde zur blauen Stunde durch den kleinen Ort Gundershofen, mit noch einigen der nach alter Tradition blau angestrichenen Fachwerkhäusern. Die Farbe soll, so die hier verbreitete Meinung, im Sommer die Stechmücken abwehren, lockt heute auf aber jeden Fall die Touristen an. Der Hauptanziehungspunkt des noch selten erwähnten Dorfes ist jedoch das Sterne-Restaurant Le Cygne. Schwan und Schwarm im Dörfchen Gundershofen. Das schöne Gasthaus wird von Gourmets aus nah und fern angesteuert. Dass auch Stammgäste aus der Umgebung gern hier speisen, ist ein Garant für eine bezahlbare und ungezwungene Atmosphäre.

Da möchte man jetzt erst mal nett zu Abend essen und schaut in die Karte oder lässt sich daraus empfehlen. Ein Menu sollte im Elsass beginnen mit der Foie Gras (Gänseleberpastete), 1780 in Straßburg von Jean Pierre Clause, dem Leibkoch des Marschall de Contades erfunden. Traditionell und der Qualitätsmaßstab eines jeden Speiselokals ist der Baeckeoffe (Bäckerofen), ein deftiges Gericht aus drei Sorten mariniertem Fleisch und Kartoffeln, das die Frauen früher an Waschtagen morgens in einer elsässischen Tonform aus Soufflenheim oder Betschdorf zum Bäcker des Ortes brachten, der sie in seinen befeuerten Ofen schob. Die Frauen holten die Speisen erst nach mindestens drei Stunden Backzeit wieder ab. Und der bekannte Kougelhopf (Gugelhupf) ist eine weitere Spezialität aus Hefegebäck, die in Backformen aus Soufflenheim zubereitet wird. Aber in einem Sterne-Restaurant kommt man mit einem der zur Auswahl stehenden Menus wohl kulinarisch gesehen am meisten auf seine Kosten. Annie und François Paul kümmern sich im Le Cygne deutschsprachig ums Wohl der Gäste, so viel Zeit ist.

Das Austernblatt ist keine Fischerzeitung

So wird dem Laien gern geduldig erklärt, dass das auf dem Teller drapierte und nach Austern schmeckende dunkelgrüne Blättchen gleichen Namens in der französischen gehobenen Küche gebräuchlich ist und als Kräuterpflanze Mertensia maritima in Schottland seine Wurzeln hat. In Deutschland leider weniger bekannt, schmeckt es pur tatsächlich als hätte man etwas Maritimes auf der Zunge. Dieses Gericht, karamellisiertes Sauerkraut zu Zanderfilet, Brennnesselpuree oder fruchtige Varianten der Gänseleberpastete – jedes Menu verspricht eine neue Überraschung zu sein, die passenden Weine inbegriffen.

Nach einer glückseeligen Nacht geht es am nächsten Tag weiter durch das Tal der Sauer nach Obersteinbach – Ausgangspunkt für Kletterer, Wanderer und natürlich kulinarische Genießer. Das stille Dörfchen der 13 Brunnen hat sich traditionell erhalten, liegt neben Niedersteinbau im Steinbachtal, am Ostrand des UNESCO-Regionalparks Nordvogesen. Den Ort überragt der Wachtfels aus Sandstein. Umgeben von sieben Burgruinen – alle aus dem Sandstein gehauen – hält das Dorf Angebote für jeden Geschmack bereit. Traditionelle Küche und Unterkunft für Wanderer und Kletterer gibt es ebenso wie schicke Hotelzimmer und von Gault et Millau empfohlene Küche, etwa im Hotel und Restaurant Anthon, mit der vom Vater auf den Sohn übertragenen Erfahrung. Obwohl Gaststätten und Restaurants traditionell französische Namen tragen, versteht man auch hier Deutsch.

Traditionelle Küche war und ist beliebt

Einen Steinwurf schräg gegenüber wird von Herzen traditionelle Küche mit Bio-Gemüsen geboten. Auch Christelle spricht Deutsch. Sie betreibt leidenschaftlich ihre Auberge Alsace-Villages, ein nettes und auch wegen der guten traditionellen Küche geschätztes Natur-Hotel mit Blick in die Landschaft. Wenn man nicht sowieso dort übernachtet, sich aber die leckere Küche im gemütlichen Bewirtungsraum nicht entgehen lassen will, sollte man unbedingt vorher für den Genuss der feinen traditionellen Küche anrufen. Die Jahreszeiten bestimmen, was der eigene Bio-Garten und die Landwirte aus der Region hergeben und so kommt es dann auch auf den Tisch, vom Baeckhoeffe, Sauerkraut, Lamm-Terrine bis hin zu lokalen Käsesorten, Forellen, Pasteten und Würsten, Desserts und Torten.

Das Nordelsass sollte man nicht verlassen, ohne einen Umweg über den Ort Cleebourg gemacht zu haben. Weinkenner wissen, südlich der Süddeutschen Weinstraße ist die Weinwelt noch nicht zu ende. Im Nord-Elsass, dem Pays de Wissenbourg reicht die Winzertradition zurück bis ins 13. Jahrhundert. Und die Bruderschaft von Cleebourg sieht sich als stolze Hüter des traditionellen Könnens. Es ist von Wissembourg auch nur ein Katzensprung zur Winzergenossenschaft, um den Wein zu kosten. Riesling, Grauburgunder und Blauburgunder oder Gewürztraminer – des Elsass nördlichste Weinlage schmeckt nach Süden. Die Leidenschaft der Winzerbrüder spürt man bei der Kellerführung, sowie bei der Weinverkostung der prämierten Cuvees, Lieux-dits und Cremants d’Alsace. Probieren geht eben doch über Studieren.

Text & Fotos: Karl-Heinz Hänel

Über Karl-Heinz Hänel

Karl-Heinz Hänel ist freier Reise- u. Bild-Journalist, betreibt Storytelling online und zeichnet redaktionell verantwortlich Nach mehrjähriger Mitarbeit für die TV-Sender ARD und ZDF, sowie für internationale Bildagenturen, wechselte der studierte Dipl.- Kommunikations-Designer und Landschaftsfotograf 1995 in den Reisejournalismus, nachdem ihn zunächst nach einer Standortsuche das Thema Toskana nicht mehr los lies. 2004 veröffentlichte GEO-Saison für Geniesser Toskana eine Reportage über seine Spurensuche in der Val d'Orcia. 2006 entwickelte Karl-Heinz Hänel das Online-Reisemagazin speziell für Italien-Liebhaber und Genießer Paradies-Italien.de , 2008 das Portal Liebhaberreisen.de und 2013 folgte das Blog.Liebhaberreisen.de Heute reisen und berichten darüber Karl-Heinz und Partnerin Marion, oft auf Einladung zu Presse- und Erfahrungsreisen
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