immer Neues von Holger Schmidt …

Der promovierte Volkswirt Netzökonomie Holger Schmidt

DrHolgerSchmidt

Dr.Holger Schmidt

schreibt seit 15 Jahren über die digitale Wirtschaft. Von 1997 bis 2011 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seit 2012 für den FOCUS, dort meist in der wöchentlichen Rubrik „Web-Wirtschaft“ und im Netzökonomie-Blog,

Hier: zur Zukunft der Zeitung ( im Internet )

Das digitale Quartett mit Cordt Schnibben (Spiegel), Constantin Seibt (Tagesanzeiger / Deadline Blog), Marcus Schwarze (Rhein-Zeitung) und Bülend Ürük (Newsroom) sowie dem Standard-Quartett Daniel Fiene, Richard Gutjahr, Ulrike Langer und Thomas Knüwer hatte gestern, dem 18.08.2013 die Zukunft der Tageszeitung zum Thema, angelehnt an die gerade laufende Spiegel-Reihe (zum Storify des Quartetts von @fiene).

Obwohl zu diesem Thema schon viel gesagt und noch mehr geschrieben wurde, juckt es mich doch in den Fingern, eine Klammer für die verschiedenen Aspekte zu suchen.

Hier mein Versuch, angefangen von der Notwendigkeit für Bezahlmodelle im Netz über die Inhalte bis zur neuen Rolle der Journalisten.

Die Finanzierung

Der Übergang zum mobilen Web macht die Werbefinanzierung für den Journalismus im Internet schwieriger. Obwohl die Nutzung hoch ist und auch die mobilen Werbeerlöse schnell steigen, ist das Niveau erschreckend niedrig. Vielleicht werden in diesem Jahr 100 Millionen Euro Umsatz mit mobiler Werbung in Deutschland erzielt, wovon der Großteil an Google, Facebook & Co. fließt. Da Online-Werbung (und mobile Werbung noch eine Spur mehr) technisch hochgezüchtet wird, verlagern sich die Gewichte im Markt immer stärker von den Inhalte- zu den Technologieunternehmen. Bis das mobile Werbegeschäft also signifikant zur Finanzierung des Journalismus beitragen kann, sind noch viele Jahre hoher Zuwächse nötig. Diese Zeit haben nur wenige Medien. Selbst der britische Guardian, das Vorbild für den werbefinanzierten Ansatz und dank seines Stiftungsmodells wirtschaftlich in einer bevorzugten Lage, macht trotz seines tollen Journalismus` kräftige Verluste und zehrt gerade seine Reserven in hohem Tempo auf. Ob die Wette betriebswirtschaftlich zu gewinnen ist, lässt sich im Moment nur schwer absehen. Das bedeutet: Ohne Paid Content geht es für die meisten Medien nicht, auch wenn der Übergang schwierig wird. Aber die wirtschaftliche Notwendigkeit ist spätestens mit dem mobilen Web eindeutig.

(Ich weiß, das habe ich noch vor einigen Jahren anders gesehen.)

Die Inhalte

Paid Content kann natürlich nur funktionieren, wenn die Inhalte stimmen – und das unabhängig vom Trägermedium. Papier hat den Nachteil, immer langsamer als die digitalen Medien zu sein, was das klassische Nachrichtengeschäft in Zeiten, in denen jeder ein Smartphone in der Tasche hat, immer schwieriger macht. Selbst ein Scoop ist nur für wenige Minuten ein Scoop, bevor er auf jeder Website zu finden ist. Noch hat Papier aber den Vorteil, mehr Geld zu verdienen, was Journalisten mehr Zeit für ihre Geschichten gibt. Wer sich die am Lesermarkt erfolgreichen Print-Titel wie den „Economist“ oder die „Zeit“ anschaut, erkennt auch unschwer die Inhalte, die den USP bringen: Einordnung, Hintergrund (oder kurz „die Welt erklären“) sowie die überraschende Geschichte, die von den News-Sites nicht geliefert wurde. Da interessierte Leser zu dem Zeitpunkt, an dem sie das gedruckte Werk in die Hände bekommen, meist schon gut informiert sind, ist die umfassende Einordnung wichtiger als eine minimale Weiterdrehe (die ohnehin meist nur andere Journalisten wahrnehmen).

Paid Content erfordert aber auch das Aufschnüren der klassischen Bündel. Der transformierte Zeitungsleser mag vielleicht auch im Digitalen sein Gesamtpaket, will sich überraschen lassen und vertraut der Auswahl einer Redaktion. Doch die Generation, die jetzt ohne Zeitung aufwächst, wird für Inhalte, die sie nicht möchte (und wohl auch gar nicht kennt), kaum zahlen wollen. Der Longtail der Interessen wird sich in einem gedruckten Medium aufgrund des begrenzten Platzes nie abbilden lassen. Also müssen die Bündel aufgeschnürt werden, damit sich die Leser die gewünschten Infos nach eigenem Gusto zusammenstellen können, wobei wir Journalisten sicher helfen können. Am Beispiel der Lokalzeitung bedeutet dies nur die Nachrichten aus meiner Stadt (und nicht aus dem ganzen Umland) zu liefern. Das sollte technisch machbar sein, wenn wir über die Phase, das Papier zum E-Paper zu transformieren, endlich hinauskommen. Der Nachholbedarf in der Technik ist größer als in den Redaktionen. Aber intelligente Informationsprodukte als Zusammenspiel zwischen Inhalten und attraktiver Aufbereitung werden zu einem wesentlichen USP für Paid Content. Wer jetzt an den Entwicklern spart, hat schon verloren.

Die Journalisten 

Wir Journalisten sind gefragt. Wir müssen eine neue Rolle annehmen: Neben der Produktion der Inhalte müssen wir unsere Leser täglich mit den relevanten Informationen versorgen und den Kontakt halten, den unsere Medienmarken vielleicht schon verloren haben. Das kann unabhängig vom eigentlichen Medium wunderbar per Twitter, Facebook, Google+… geschehen, aber natürlich auch Teil eines kostenpflichtigen Angebots sein. Nebenbei ist dieser Dialog mit den Lesern (oder Nutzern) oft sehr hilfreich, Dinge selber zu verstehen. Natürlich macht diese Form des Kuratierens und Diskutierens zusätzliche Arbeit. Natürlich gibt es Nutzerkommentare, die nur ärgerlich und unnötig sind, um die nur gängigsten Gegenargumente der Kollegen aufzulisten. Aber in der Summe ist das Ergebnis nach meiner Erfahrung eindeutig positiv.

Und noch ein Aspekt: Nicht jeder Journalist muss programmieren können. Arbeitsteilung ist seit Adam Smith ein Grundprinzip des Wirtschaftens zum Wohle aller. Aber wenn Journalisten ihr Handwerkszeug für die Information und Kommunikation mit ihren Lesern beherrschen, wäre schon viel gewonnen.

Papier oder Digital?

Egal – zumindest in einer Paid-Content-Welt. Am Ende entscheidet ohnehin der Leser, welches Trägermedium er möchte. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahren zeigt einen Abwärtstrend für gedruckte Tageszeitungen und ich sehe nichts, das diesen Trend umkehrt. Also lieber jetzt alle Kraft Richtung digitaler Welt, solange man noch Kraft hat.

Quelle: … und mehr von Holger Schmidt
 

 

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Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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