
Radio, was war das noch gleich?
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steckt in einer Legitimationskrise. Das war Radio…
Zu groß, zu behäbig, zu teuer, zu rot-grün. Wer liest hier und jetzt überhaupt noch weiter?
Übernommen vom Deuschlandfunk. Autor und Sprecher: Mathias Greffrath
Zeit für eine trotzige Bestandsaufnahme.
Was können wir aus der oft ernüchternden Gegenwart der immer gleichen Radiowellen- flache Routinen, Dauerberieselung, selbstreferenzielles Gerede – lernen?
Neulich mal wieder Radio gehört. Lady Gaga, Grönemeyer, Beyoncé, die anderen so ähnlich, viele Bässe. Die übrige Ausbeute von 30 Minuten: Der Buckelwal am Timmendorfer Strand ist immer noch nicht frei; man sollte jetzt vielleicht wegen des Golfkriegs keine Aktien kaufen, oder vielleicht doch, man weiß das nie bei Aktien – die Doppelmoderatoren auch nicht, dann wieder viele Bässe mit drei Akkorde und zwischendurch die Ansage, dass ich hier „genau meine Musik“ höre, auch dass ich es mit Elke und Jens zu tun habe, daran werde ich im Folgenden alle drei bis fünf Minuten wieder erinnert, und auch daran, dass ich auf NDR 2 bin. Und weiter geht’s: da gibt es einen Hörer, der seinen Holz- Weihnachtsmann immer noch nicht in den Keller gebracht hat, um Platz für die Osterhasen zu machen…
Ein anderes Radio ist möglich, eines, das wie zu seinem Beginn die Welt erschließt, Bildung nicht nur für Eliten verspricht und als akustischer Marktplatz gemeinsamer Erfahrung fungiert.
Dem entgegen stehen allerdings die Krisen unserer Zeit und deren mediale Folgen: Kommerzialisierung, Quotendruck und Plattformökonomie haben das Medium entkernt und die Öffentlichkeit zersplittert.
Doch gerade im Angesicht von Podcasts, Algorithmen und fragmentierter Gesellschaft lässt sich Radio neu denken: nicht als bloßer Sender, sondern als Ermöglicher von Öffentlichkeit im emphatischen Sinn – als Ort, an dem Menschen sich begegnen, streiten, denken. Die Zukunft liegt nicht im Rückgriff, sondern im Aufbruch: weniger Beschallung, mehr gelebte Öffentlichkeit … mehr lesen: Das Radio zwischen enttäuschter Liebe und neuem Aufbruch