
Oft will der Mensch sogleich haben, was er sieht…
Die alte Landschaft Tuscien ist nun zwar nicht wohlfeil,
neuerdings aber steht es jedermann frei, sie zu besuchen, um sie wenigstens dergestalt „in Besitz“ zu nehmen: Dazu laden 14 Farbfotografien im Alten Rathaus ein, Panorama-Bilder aus dem Val d“Orcia nahe Pienza, Toskana.

Der freie Reisejournalist und Fotokünstler Karl-Heinz Hänel aus Kiel hat sie in den vier Jahreszeiten „geschossen“ und im Verbund mit „Il Ponte“ in die Öffentlichkeit gebracht.
Toskanisches Land scheint bei ihm stets in zwei Teile zu zerfallen. Im Vordergrund findet man die Farben der Zeit, in Grün, Rot, Braun oder Blau blühenden Mohn, weidende Schafe, Pinien, die typisch allein stehenden Gehöfte, indes sich der bergige Hintergrund stets von grauer Dominanz erweist. Die Höhen indes bestimmen den Fokus, auch Hügel, wenn sie aus Tiefnebeln ragen wie Inseln aus dem Meer. Alles scheint von ästhetischer Hand geformt, und der betriebsame Schöngeist Hänel folgt diesen sanften Schwingungen oder Wellen nach. Seine Panoramen, von der halbierten Bildhöhe raffiniert unterstützt, zwingen den Blick in Breite und Tiefe. Höhere Himmel hätten andere Bilder erzeugt, letztlich macht er erst die Landschaft.
Die Toskana als Arzt, Hänels eigene „Seelenlandschaft“

Seit der Renaissance weiß man, wie unzufrieden das Auge wird, wenn nichts das Harmonische stört. Es erträgt Vollkommenheit nicht. Diese hier zu sehenden Exponate wirken tatsächlich auf den ersten Blick wie gemalt, beim zweiten sucht man nach Leben, das, woran ein Blick sich riebe: Hänels Bilder sind zu schön, um wirklich wahr zu sein. Text: Gerold Paul
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