KI: Die Logik des Digitalen. Es zählt nur, was sich zählen lässt!

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Quantität ist das zentrale Qualitätskriterium unserer Zeit.

    In sozialen Netzwerken ist es die Anzahl der Freunde, Follower, Views, Likes, Shares, die Erfolg und Status bestimmt. Klicks entscheiden über Sichtbarkeit in der digitalen Welt. Die Inhalte sind scheiß egal.Von Roberto Simanowski | 11.02.2024

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Quelle: Deutschlandfunk

Quantität ist das zentrale Qualitätskriterium unserer Zeit. In sozialen Netzwerken ist es die Anzahl der Freunde, Followers, Views, Likes und Shares, die Erfolg und Status bestimmt. Klicks entscheiden über Sichtbarkeit in der digitalen Welt.

Die Zahlenobsession führt aber nicht zu neuen qualitativen Höhen, sondern in eine Kultur des Mainstreams. Zahlen werden längst zu Orientierungsmitteln für wichtige lebenspraktische Entscheidungen: Vom Übereinstimmungskoeffizienten auf Dating-Plattformen hängt die Partnerwahl ab, das Ranking der Universitäten und ihrer Mitarbeiter scheint die Einkommenshöhe ihrer einstigen Studenten zu bestimmen, wird so zum zentralen Kriterium für Entscheidungen über den eigenen Werdegang. Zudem werden menschliche Interaktionen zunehmend von Zahlen organisiert, von der Bewertung der Turker (auf Amazons Mechanical Turk-Plattform für Minijobs) und des Uber-Fahrers (und seiner Mitfahrerin) sowie den Konzepten bis zu den Experimenten mit Social Credit System, die jede Handlung in eine Zahl übersetzen, um einen Ergebnis-Score zu ermitteln, der den Platz eines Individuums in der Gesellschaft bestimmt.

Dieser Score tritt damit an die Stelle der so genannten Großen Erzählungen, die dem menschlichen Dasein Sinn und Orientierung geben und die Episoden des individuellen Lebens zusammenhalten. Es ist eine letzte Große Erzählung der Zahl entstanden. Selbst die künstliche Intelligenz, die dem Menschen immer mehr Entscheidungen und Aufgaben abnimmt, einschließlich des Schreibens von Texten, ist von der Zahl getrieben, denn sie richtet sich nach statistischen, numerischen Kriterien aus, statt nach normativen. Was entsteht, ist nicht das Neue, sondern etwas, das im Mainstream gefallen kann.


Roberto Simanowski, geboren 1963, lebt nach Professuren für Kultur- und Medienwissenschaft in den USA, der Schweiz und Hongkong als Publizist in Berlin und Rio de Janeiro. Zu Simanowskis Büchern gehören „Data Love“ (2014/engl. 2018), „Facebook-Gesellschaft“ (2016/engl. 2018) und „Abfall. Das alternative ABC der neuen Medien“ (2017, engl. 2018).

Sein Buch „Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz“ erhielt den Tractatus-Preis für philosophische Essayistik 2020.

Eine Hand hält ein Smartphone, über dem Blasen mit Klickzahlen schweben.

Es zählt, was sich zählen

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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