Zum Geburtstag von Karl-Hugo Dierichs am 1.Mai

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Journalist & Reporter Karl-Hugo Dietrichs © Copyright Karl-Heinz Hänel

Für Reisereporter gibt es keine Altersbegrenzung
Kein Örtchen, von dem wir nicht ein Selfie auf Instagram und Co. uploaden.

Und kein Ort, keine Geschichte, die wir nicht mit Links an die Leser bringen. Doch die Zeit läuft und schnell sind wir nicht mehr so jung, die Geschichten sind nicht mehr nur cool. Und dann?

Marion und ich, wir waren schon auf vielen Reisen, auch so genannten Pressereisen, auf denen man alles gezeigt bekommt, was die Touristen interessieren könnte. Alles toll und schön bunt, aber was darüber schreiben? Wo ist eine Geschichte versteckt?

Am meisten darüber haben wir von älteren Journalisten gelernt. Die haben einen unglaublichen Erfahrungsschatz und mit den Jahren ein Gespür dafür entwickelt, was eine Geschichte hergibt.

Einen dieser alten Hasen möchten wir Euch hier exemplarisch vorstellen, denn auch sein Leben liest sich wie ein Krimi.

Karl-Hugo Dierichs ist noch immer neugierig und gern auf Reisen

für einen Jahrgang 1929 eine beachtliche Aktivität. Denn mit 68 ging Karl-Hugo im Jahr 1997 doch eigentlich in Rente. Dennoch, das Interesse am Reisen und den Menschen blieb.

Als ich Karl-Hugo kennen lernte und ihn fragte, was er so schreibt, erfuhr ich, dass er u.a. über Campingplätze schrieb. Da winkte ich, unerfahren wie ich war, ab, das Thema hielt ich für absolut uninteressant. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. 

Interview

Nach seinem 90. Geburtstag am 1. Mai 2019 fragte ich nach seinen jüngsten Aktivitäten.
Karl-Hugo: “Ich habe traditionell am 1. Mai im 12. Stock des Sparkassenturms hoch über den Dächern Wuppertals gefeiert. Schon seit 40 Jahren lädt der Vorstand die Presse zum Maitanz ein. Getanzt wird längst nicht mehr, aber gut gegessen und getrunken. Am 2. Mai flog ich nach Venedig zur Jahrestagung der „Vereinigung der Caravaning- und Touristik-Journalisten“ (CTJ) auf Italiens größtem Campingplatz „Marina di Venezia“. Dort wurde ich zum Ehren-Präsidenten ernannt mit Ehrenurkunde und einer meterlangen Bilderstrecke voll Erinnerungen an meine Amtszeit als 1. Vorsitzender von 1995 bis 2004. Nun läuft mein Leben mit 90 im sozialistischen Gang weiter…“

Und wer ihm persönlich begegnet, staunt nicht schlecht, wenn er zu erzählen anfängt. Ereignisse und Jahreszahlen sind für den gestandenen Journalist kein Problem. Und er hat wahrlich viele Geschichten erlebt. Sogar er selbst kam in seiner aktivsten Zeit mal in die großen Schlagzeilen, wenn auch unbeabsichtigt.

Und das kam so: Es war Herbst im Jahre 1967. Der Mitarbeiter des Wuppertaler General-Anzeigers bekam eine Presse-Einladung vom Bundesverteidigungsministerium, um an einer Besichtigung der NATO-Befehlsstelle Süd und der 6. US-Flotte im Mittelmeer teilzunehmen. Das interessierte Karl-Hugo. Zusammen mit einer Handvoll weiterer Kollegen flog er nach Neapel. Dort, auf dem Militärflugplatz lag dann vor dem Flugzeug ein roter Teppich. Ein Oberst begrüßte die Ankömmlinge mit militärischem Gruß und fragte nach dem Admiral Dierichs. Da fühlte sich Karl-Hugo angesprochen. Man geleitete ihn zu einer bereitstehenden Limousine. Die Fahrt ging zum Hotel Vesuvio, dort geleitete der Oberst ihn sodann in eine Suite mit herrlichem Blick auf den Hafen und den Vesuv.

Stark beindruckt von dem gebotenen Luxus zog sich Karl-Hugo für das angekündigte Abendessen um. Am Tisch wurde ihm der Platz neben dem Standortobersten zugewiesen, einem General der italienischen Luftwaffe. Dieser lenkte die Gespräche in die Richtung des letzten Krieges und der jeweiligen Abschüsse. Darüber verwundert kam Karl-Hugo ins Grübeln und plötzlich wurde im bewusst, es konnte nur eine Verwechslung sein.

Was war geschehen? Es stellte sich also heraus, dass auf dem nachrichtentechnischen Weg vom Bundesverteidigungsministerium über das Nato-Quartier-Süd zum Stab der 6. Flotte etwas durcheinander geraten war, so wie bei dem Spiel „Stille Post“. Aus dem Namen des Teilnehmers Karl-Hugo Dierichs vom Wuppertaler Generalanzeiger wurde so der General Dierichs. Karl-Hugo fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Haut, wollte schnellstens die Suite räumen und so wie seine deutschen Kollegen untergebracht werden. Doch dafür war es zu spät. Alle involvierten bis hin zum General der italienischen Luftwaffe beschworen ihn nun, diese Rolle weiter zu spielen, denn für die allen bevorstehenden Stationen der Flottenvisite waren große Vorbereitungen für den Empfang eines Kommandierenden getroffen, statt für einen unter vielen aufkreuzenden Journalisten. Zum Beispiel hatte man für den „deutschen General“ auf einem Flugzeugträger den Salon des US-Flotten-Admirals der 6. Flotte her richten lassen, um ihm einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Und genau von diesem Flugzeugträger sollte Karl-Hugo via Seefunk seine Reiseeindrücke übermitteln. Er tat es, erzählte wie es war, zum großen Vergnügen der Radio-Zuhörer und der Redaktion des Wuppertaler Generalanzeigers. Einige Tage später, wieder zurück in der Redaktion an der Wupper, versicherte Karl-Hugo Dierichs „Was immer in der Zwischenzeit über dieses Missverständnis berichtet wurde oder ihm angedichtet worden wäre, eine Flottenparade hätte er jedenfalls nicht abgenommen“.

Quelle und nachzulesen im Buch: Das Mittagsmagazin: In 160 Minuten um die Erde.

Daniela Schily Karl-Hugo Dierichs DONAU 2013 © Copyright by PANORAMO Bild lizensieren: briefe@panoramo.de

Karl-Hugo Dierichs interviewte Daniela Schily DONAU © Copyright by Karl-Heinz Hänel

Seine letzte größere Reise ging 2013 entlang und auf der Donau quer durch die Länder: Serbien, Bulgarien, Rumänien und Kroatien. Die Pressereise…

Das schönste Weihnachten war für Karl-Hugo übrigens bis heute das von 1945, für ein Huhn gab er eine Stange Zigaretten von seiner US-Care-Paket Ration aus seiner amerikanischen Kriegsgefangenschaft her und hatte mit seinen Eltern einen schönen Heiligabend.

Wie bleibt man bis in dieses stolze Alter körperlich und geistig so fit? „Als junger Mann von 24 Jahren und Raucher hatte Karl-Hugo einen schweren Sturz und eine Gehirnerschütterung, ab diesem Moment hatte er bis heute kein Bedürfnis mehr, zu rauchen. Er lebt eigentlich ganz durchschnittlich, ist täglich 5 bis 6 Kilometer zu Fuß unterwegs, isst und trinkt in Maßen.

Karl-Hugo: „Die Recherche hielt mich geistig fit.“

Über Karl-Heinz Hänel

Ich bin freier Reise- und Bild-Journalist, ein PR-Multiplikator, unterhalte meine Leser mit Product Placement und erzähle Geschichten in Wort und Bild, die ich selbst erlebt habe. Dafür bin ich redaktionell verantwortlich. Alle Angaben gemäß § 5 TMG finden Sie im Impressum und in meiner Vita
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